Die Assoziation mit dem braven Soldaten Schwejk ist nicht allzu weit hergeholt: Jaromir Konecny zitiert ihn sogar in seinem Roman "Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec", und zwar nicht nur indirekt durch die bauernschlaue Lebensklugheit seines Protagonisten, sondern auch direkt als Buchtitel. Was nun den Protagonisten angeht, so handelt es sich bei diesem um Lolek Nemec, dessen Vorname auf tschechisch "Deutscher" bedeutet, der aber wider eigenes Erwarten doch keiner ist - und deshalb nach seiner Flucht vor fast drei Jahrzehnten nach Deutschland von seiner tschechischen Freundin verlassen wurde, "weil sie nicht mit einem Ausländer zusammensein wollte". Heute ist Nemec deutscher Staatsbürger und hat einen Doktortitel - davor lag er allerdings jahrelang im Koma und fälschte danach sein Maturazeugnis, um studieren zu können, was ihm nun eine Verurteilung zu Sozialarbeit einbringt. Nemec landet also zum zweiten Mal im Flüchtlingslager, diesmal als Deutscher.

Soweit, so abstrus. Der Rest der Geschichte ist dafür von der Handlung her relativ simpel gestrickt: Nemec hilft also im Asylwerberheim aus, dieses ist von der Schließung bedroht, und während Nemec es retten will, verliebt er sich auch noch ausgerechnet in die Freundin des fremdenfeindlichen Bürgermeisters. Wie das alles ausgehen wird, kann man sich als Leser recht bald ausrechnen.

Aber darum geht es gar nicht in erster Linie. Denn Jaromir Konecny - übrigens selbst seinerzeit aus der Tschechoslowakei geflohen - benutzt seinen Roman vor allem als Vehikel für einen unaufgeregten, aber dennoch eindringlichen Appell in Sachen Asylpolitik und Integration. Dass sein liebevoll überzeichneter Nemec durchaus autobiografische Züge trägt, macht das Buch - ebenso wie den berühmten Vorläufer Schwejk - so lesenswert. Und auch die anderen Figuren, von der Asylheimleiterin bis zu den nordafrikanischen Flüchtlingen, wachsen einem schon nach wenigen Seiten ans Herz. Da wünscht man sich glatt eine Fortsetzungsgeschichte . . .

Jaromir Konecny:
Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
Ecowin; 254 Seiten; 20 Euro