Auf dieses Buch haben wir gewartet. Obgleich er bereits eine ganze Reihe von Veröffentlichungen vorgelegt hat, gelang Christoph Ecker erst mit dem monumentalen Erzählwerk "Fahlmann" (2012) der Durchbruch. Gelobt als "eines der großen Leseabenteuer der deut-schen Gegenwartsliteratur" (Denis Scheck), gelang Ecker auf über 1000 Seiten ein fulminanter Roman, der Lust auf mehr machte.

Das lieferte er auch mit den Romanen "Die letzte Kränkung" (2014) und "Der Bahnhof von Plön" (2016) nach. Nun ist mit "Andere Häfen" eine Sammlung von Kurz- und Kürzestgeschichten erschienen, in denen der Autor beweist, dass er auch im Miniaturformat zu überzeugen vermag. Viele der über 80 Texte sind nicht länger als eine oder zwei Seiten. Sie tragen so suggestive Titel wie "Blutwurst aus Eigenblut", "Die Meisen Alaskas" oder "Beinfrauen". Der begrenzte Umfang resultiert poetischer Verdichtung und die Texte geraten zu Prosalyrik. Typisch für Eckers Erzählweise sind plötzliche Wendungen und jene überraschenden Haken, welche seine oftmals Prosa schlägt: Gerade wenn wir glauben, das Erzählte ergründet zu haben, entzieht es sich völlig dem begreifenden Nachvollzug.

Ecker erweist sich dabei als Realist, auch wenn man seine Literatur in weiten Teilen als fantastisches Erzählen bezeichnen kann. Wovon er vielfach zu berichten hat, ist die traurige Wahrheit über den Menschen: nämlich der Hang zu Grausamkeit, Gewalt, Rücksichtslosigkeit und dergleichen mehr. Nichts ist sicher: da tun sich in Wohnungen überraschend unbekannte Räume auf, Wände haben Körperöffnungen und dergleichen mehr. Der Einbruch des Unerwarteten kann sich jederzeit ereignen, so wie es von Josef Fritzl via zwei Bundeswehroffizieren zu einem Buben geht, der sich in ein Schiff verwandelt und dann in Hamburg in See sticht, um mit dieser Befreiungsgeste aus unserem Blick als Leser zu verschwinden.