Das Luther-Buch des deutschen Journalisten Christian Nürnberger ist in einem evangelischen Jugendbuch-Verlag erschienen, richtet sich also vor allem an junge Menschen - das unterstreichen auch die farbenfrohen Illustrationen von Irmela Schautz. Dennoch ist diese gute, allgemein verständliche Einführung, die monatelang auf der "Spiegel"-Bestsellerliste stand, auch älteren Lesern jeglicher Konfession zu em-pfehlen.

Nürnberger hat sich den begnadeten Volksprediger Luther auch als stilistisches Vorbild gewählt. Einfach, aber nicht einfältig erzählt er Martin Luthers Leben, wobei er sorgsam zwischen liebgewonnenen Legenden und gesicherten Fakten unterscheidet. Das Kapitel über Luthers Gattin, Katharina von Bora, stammt von Nürnbergers Ehefrau, Petra Gerster. Die renommierte Fernsehjournalistin beschreibt das Leben der ersten evangelischen Pfarrersfrau mit unverkennbarer Sympathie.

Über das Biographische hinaus erklärt das Buch auch die theologische Bedeutung der Reforma-
tion. Nürnberger, der Luthers fragwürdige Züge nicht verschweigt, ist ein überzeugter Protestant, der von sich und seinesgleichen sagt: "Moderne Protestanten haben sich längst von Luther emanzipiert und genau darin, dass sie ihrem herrischen Lehrmeister, wo es nötig ist, selbstbewusst widersprechen, erweisen sie sich als wahrhaft lutherisch, denn wahrhaft lutherisch ist es nun mal, keinen Papst zu akzeptieren, auch keinen evangelischen."