(tes) Am liebsten würde er ihm vor Zorn in die Ohren beißen, empörte sich Graf Harrach über seinen Architekten Johann Lucas von Hildebrandt: Denn der hochberühmte Baukünstler pflegte recht großzügig mit dem Geld
seiner Auftraggeber zu verfahren, verzettelte sich oft in mehreren Projekten gleichzeitig und baute mitunter auch nicht das, was man ihm befohlen hatte, sondern das, was er selber für richtig hielt.
Also für geeignet, seinen Riva-
len Fischer von Erlach zu übertrumpfen.

Auch als Barockfürst hatte man es also nicht leicht. Die Nachwelt, vor allem jene in Wien, verdankt der Baufreude der Familien Daun, Batthyány oder Liechtenstein und auch des stets um Geld verlegenen Kaiserhauses jedenfalls zahlreiche markante Palais, von denen viele bis heute das Erscheinungsbild der Stadt prägen. Ihnen widmet der Historiker Georg Hamann sein neues Buch, in dem es weniger um tote Gemäuer als um die Menschen geht, deren Geschichten daran hängen. Etwa um die Grafen Koháry, deren Geld das Palais Coburg finanzierte; um den jüdischen Kunstmäzen und Philanthropen Gustav von Epstein, der schuldlos sein Vermögen verlor; um Stararchitekten und ihre Konkurrenzkämpfe; oder um Josef I., der es als Jugendlicher gar mit einem Gespenst zu tun bekam.

Dabei erweist sich das Buch als deutlich informativer und auch unterhaltsamer als die ORF-Serie mit ähnlichem Titel zum gleichen Thema. Kleines Manko: Es fehlt eine Karte der beschriebenen Standorte für jene Leser, die mit der Topographie Wiens nicht so vertraut sind.