"Wenn ich tot bin, werde ich die Sau rauslassen - auf dem Friedhof, warum nicht? Ihr werdet schon sehen! Von wegen ewige Ruhe, ohne mich!" Gottlob wartet Autor Christian Futscher nicht so lange wie eine seiner Figuren, er besingt in seinem neuen Erzählungsband bereits zu Lebzeiten die einschlägigen Freuden des Lebens in Wien - Sex, Heurigenbesuche und Rockmusik - und lässt dabei die Sau tatsächlich ordentlich raus. Der pikante Bericht vom Drahdiwaberl-Konzert auf der Jesuitenwiese ist, zum Beispiel, echt kein "Lecherlschas".

Von den Frühlingsgefühlen der meist männlichen Protagonisten - "je kürzer die Röcke, desto länger die Blicke" - zum fragwürdigen Sittenbild scheint der Weg oft nicht mehr weit. Wer aber glaubt, in Futschers Figuren simple Selfies des Autors als Schmutzfink zu erkennen, oder wer jedes aufregende Wort für bare Münze nimmt, wird konsequent enttäuscht.

Der provokante Satz "Wer einsam ist in der großen Stadt, der muss ein schöner Trottel sein" etwa wird zwar in die Welt posaunt, aber danach höchst kreativ umzingelt - und am Ende steht er ohne beleidigende Botschaft da. Chris- tian Futscher spielt mit der Sprache, er unterläuft rotzfrech alle rigiden Forderungen der Political Correctness, und darum gelingt es ihm, sein trauriges Thema nie bleiern wirken zu lassen. Dass er in seinen 24 Erzählungen sehr vielen Schriftstellern, Künstlern, Musikern, Freunden und Familienmitgliedern Referenz erweist, macht die stets selbstironisch grundierten Texte ziemlich sympathisch. Und weil Futscher, schelmisch wie Schwejk, arroganten Zeitgenossen en passant ans Bein pinkelt, darf man sich nicht nur über ein genüsslich gepfeffertes, sondern auch sehr gewitztes Buch freuen.