Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Und wenn diese Reise im tiefsten Winter in die heiße Karibik führt und dabei die aktuelle Nein-nicht-Lebenspartnerin-eher-nebenher-Liebschaft-oder-was-auch-immer mit von der Partie ist, die man eigentlich schon vor Urlaubsantritt schon wieder satt hat, dann wird die Erzählung nicht unbedingt lustig werden. Oder zumindest nicht für einen selbst. Für die Leser hingegen schon, denn Joesi Prokopetz berichtet in typischer Joesi-Prokopetz-Manier aus seinem Leben (oder dem, was er seinen Lesern dafür vormacht). Und so liegt nun ein Büchlein vor, das auch als szenische Lesung sehr gut funktionieren würde - das nächste Soloprogramm wäre damit gesichert.

In den Hauptrollen: Der 15 Jahre jüngere Josef P; seine (nicht allzu positiv geschilderte) Begleiterin V.; ein windiger Wiener Bekannter von V., der den beiden seine Villa auf einer Karibikinsel für einen Urlaub vermietet; einige dortige Einwohner; ein ausgewanderter Salzburger Wirt; sowie in der dritten Hauptrolle eine Schabe vulgo Kakerlake, die es auf den ihrem ersten Auftritt folgenden 125 Seiten immer wieder schaffen wird, bei V. hysterische Anfällen und bei P. zu sexueller Unbedriedigtheit auszulösen (wobei natürlich ein kausaler Zusammenhang besteht). Man sieht also schon: Es wird grauslich - und doch unterhaltsam, weil ein Joesi Prokopetz halt so schreibt, wie er auf der Bühne spricht (und auf manche Konventionen in Sachen Interpunktion pfeift) und dabei auch ganz ungeniert in den unteren Schubladen kramt, um Pointen herauszuwühlen. Das kann man mögen oder auch nicht. Wobei: Jene, die es mögen, werden dieses Buch ohnehin nicht in die Hand nehmen. Die anderen aber werden es an einem Abend durch haben, sich darüber amüsieren und hoffen, dass er wirklich demnächst ein Soloprogramm daraus macht.

Joesi Prokopetz: Kalte Füße in der Karibik
Edition Fürberg; 182 Seiten; 11,90 Euro