462 Seiten umfasst Gudrun Smoles Historienroman "Schwarze Grafen" über die Familie Stampfer, die sich im 17. Jahrhundert rund um den Erzberg ein kleines Wirtschaftsimperium aufgebaut hat. Und zwar tatsächlich, denn auch wenn die Geschichte fiktional ist, sind die Figuren zum Teil real. Und die Story voller Liebe, Tod, Intrigen, Krieg und gesellschaftliche Zwänge mag zwar erfunden sein, ihr liegen aber reale Ereignisse zu Grunde, und es ist durchaus möglich, dass sich die Vorderberger Bevölkerung anno 1680 tatsächlich so ähnlich verhalten hat, wie in Smoles Erzählung.

Diese dreht sich jedenfalls um die Familie des Schwarzen Grafen (eine treffende Bezeichung für den neureichen Geldadel, der durch das Geschäft mit dem Eisenerz entstanden war) Hans Adam Stampfer, dessen Mutter trotz niederer Herkunft Wert auf ihren neuen Stand legt, während sich seine Tochter in den Sohn seines Verwalters verliebt. Dazu kommen ein mutmaßlich unehelicher Erstgeborener, der seinem Status als geschäftlicher Erbe nicht gerecht wird, ein lebens- und abenteuerlustiger Drittgeborener, der auf viele Konventionen pfeift, und ein boshafter Konkurrent, der keine Gemeinheit scheut, um Stampfer zu ruinieren. Und natürlich die Pest, die tatsächlich 1680 in der Steiermark wütete und der Geschichte eine entsprechende Dynamik gibt. So geht es teils sehr wild dahin, birgt mehrere überraschende Wendungen und bleibt bis zum Schluss spannend. Das alles eingebettet in eine Welt, die den Lesern zwar geografisch nah, aber zeitlich und gesellschaftlich umso ferner ist. Die ihnen aber Smole sehr anschaulich näherbringt.

Gudrun Smole: Schwarze Grafen
Verlag Text/Rahmen; 462 Seiten; 16,90 Euro