Möchte sein Publikum unterhalten, rühren, zum Mitfiebern und zum Lachen bringen: Bernhard Aichner. - © Caro Kruse
Möchte sein Publikum unterhalten, rühren, zum Mitfiebern und zum Lachen bringen: Bernhard Aichner. - © Caro Kruse

Ein internationaler Wurf mit Millionenauflage ist für Schriftsteller so etwas wie ein Lotto-Sechser. Wie etwa Joanne K. Rowlings das große Los mit "Harry Potter" zog. Doch in der Regel erhalten Autoren pro verkauftem Hardcover-Band rund zehn Prozent des Netto-Ladenpreises. Vor Steuern.

Man kann sich also leicht ausrechnen, wie schwer es ist, vom Schreiben zu leben. Neben dem Promotion-Effekt von Lesungen sind diese ein nicht unwesentlicher Teil des Autoreneinkommens. Die "Wiener Zeitung" hat mit vier heimischen Autorinnen und Autoren gesprochen, die viel auf Achse sind.

"Reisen sind eine Inspirationsquelle", sagt Michael Stavarič. "Ohne sie würde sich meine Literatur ganz anders lesen." Der österreichische Schriftsteller mit tschechischen Wurzeln hat im Jahr 2000 sein erstes Buch herausgebracht, den Gedichtband "Flügellos". Romane, Essays und Kinderbücher folgten. Er erhielt zweimal den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur und 2012 den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung.

Seit gut zehn Jahren geben Lesereisen in seinem Leben den Takt vor. Ausnahmslos jede Woche packt er seinen Koffer, um irgendwohin aufzubrechen. Meist buchen ihn Veranstalter im Inland oder in Deutschland, doch mitunter locken deutschsprachige Institutionen wie Goethe-Institute, Botschaften oder österreichische Kulturforen auch weiter weg. Zuletzt, mit fünf neuen Publikationen im Gepäck, darunter dem Roman "Gotland", waren es Norwegen, Finnland und Luxemburg, die geografisch aus der Reihe tanzten.

Stavarič erweitert seine Lesungen gern mit Musik, Hörspielelementen oder Projektionen. "Ich will mich immer wieder neu erfinden", sagt er. "Ich brauche das Experiment, das Wagnis." Schreiben könne er überall. Gedanken und Ideen notiere er laufend, seine Geschichten ersinne er auch unterwegs. "Wenn ich mich dann hinsetze, brauche ich oft nur aufzuschreiben, was im Kopf schon fertig ist", sagt der 45-Jährige. "Eigentlich arbeite ich ständig." Und was von all den Reisen in ein Projekt einfließe, wisse man nie so genau. Die unzähligen Hotels, in denen er zuweilen Skurriles erlebt, fanden jedenfalls im Roman "Königreich der Schatten" (2013) einen Nachhall. Nicht nach konkretem Vorbild, aber als Summe von Eindrücken.

Mit zunehmendem Alter werde es durchaus mühsamer, bekennt Stavarič. "Ändern möchte ich aber nichts daran." So zu leben habe etwas Identitätsstiftendes. "Ich wüsste gar nicht, wer ich wäre ohne Literatur, Reisen, Hotelaufenthalte."