Verfolge man die wortgeschichtliche Bedeutung des Reisens, finde man in jeder Sprache etwas Eigenes. Im Tschechischen etwa schwinge "das Reine und Klare" mit: "Die Reise als Erkenntnis und Selbstüberwindung." Es gebe kein Zuviel, selbst wenn man es so empfinden möge. "In meiner Welt bedingt die Reise die Literatur." Das Gesehene, die Erfahrungen, auch die beschwerlichen, generieren irgendwann eine literarische Äußerung. "Jedenfalls bin ich gewillt, das zu glauben."

"Ich möchte, dass die Leute merken, dass mein Lesen nur jetzt und nur für sie stattfindet", sagt Cornelia Travnicek. "Würde ich bloß irgendein Routineprogramm abspulen, könnten sie sich das sonst ja auch auf Video ansehen." Natürlich koste die Interaktion mit so vielen Unbekannten Energie. Demgegenüber stünden aber echte Highlights.

"Bei den O-Tönen im Museumsquartier in Wien war ich selbst überrascht von dem Interesse an mir", erinnert sich die Autorin heute noch mit sichtlicher Freude an das für sie damals ungewohnt große Publikum. Aber auch ein Lyrikfestival auf der tibetischen Hochebene in West-china habe sie schon alleine durch die Kulisse und die kulturellen Eindrücke fasziniert. Travnicek, Jahrgang 1987, hat neben Informatik auch Sinologie studiert.

Rahmenbedingungen

An Literaturwettbewerben nahm sie schon während ihrer Schulzeit teil. Spätestens seit ihrem fulminanten Romandebüt "Chucks" 2012 sind Lesungen aus ihrem Autorinnenleben nicht mehr wegzudenken. Im selben Jahr las sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb einen Text vor, der die Grundlage für ihren 2015 erschienenen Roman "Junge Hunde" bildete - und ihr in Klagenfurt den Publikumspreis einbrachte. Sie hat auch mehrere Prosa- und Gedichtbände veröffentlicht. "Chucks" wurde mittlerweile verfilmt.

Die Verantwortlichen in ihrem Verlag (DVA) sorgen dafür, dass bei ihren Lesereisen die Rahmenbedingungen passen. "Das ist einer der Vorteile, Autorin eines größeren Verlages oder gar eines Verlagsverbundes zu sein, der es sich leisten kann, Positionen wie Veranstaltungsorganisation und Pressearbeit mit Vollzeitstellen zu besetzen." Auch für Travnicek sind Lesungen neben Buchverkäufen und Auftragstexten die wichtigste Einnahmequelle als Schriftstellerin. Ihren langjährigen Teilzeitjob am außeruniversitären Forschungsinstitut für Computergrafik VRVis hat sie jedoch auch nach dem Erfolg von "Chucks" nicht aufgegeben.

"Man weiß ja nie, wie das nächste Buchprojekt ankommen wird, und Themen wie Sozialversicherung sind mit einem fixen Angestelltenverhältnis einfach besser geregelt", so die Niederösterreicherin pragmatisch. Zum Glück könne sie all diese Tätigkeiten gut kombinieren. Lange Zugfahrten nutzt sie dazu, selbst einmal ein gutes Buch zu lesen. "Für mein eigenes Schreiben sind Reisen schrecklich."

Auch Theodora Bauer trennt Schreibphasen strikt von Reisephasen. "Ortswechsel machen schon rein physisch etwas mit mir", sagt die 27-jährige Autorin. "Reisen ist zwar toll, weil es einen aufrüttelt aus dem Alltäglichen und neue Impulse gibt, ich muss das dann aber erstmal verdauen." Dabei die Balance zu wahren, sei nicht immer einfach, musste Bauer im vergangenen Herbst feststellen. Mit dem neuen Roman, "Chikago", gab es besonders viele Lesungen hintereinander zu absolvieren. "Das ist wirklich schön gewesen, aber ausgerechnet bei der Frankfurter Buchmesse bin ich drei Tage krank im Hotel gelegen." Da habe sie ihre Grenzen gespürt.