Dennoch leuchten beim Thema Lesereisen Bauers Augen. Man merkt: Sie genießt die Auseinandersetzung mit dem Publikum und saugt alle Eindrücke begierig auf. Das begann 2014 mit dem Erfolg des Romans "Das Fell der Tante Meri". "Anfangs war ich in einem richtigen Lernmodus, habe Augen und Ohren aufgerissen, wie im ersten Semester an der Uni." Lesungen brächten unheimlich viel Input. "Durch die Fragen der Leute kann man im eigenen Text noch viel Neues entdecken."

Der Kommunikationsaspekt ist Bauer wichtig. "Wozu schreibe ich denn?", holt sie weit aus. "Doch nicht, damit das nur auf einem Papier steht, und das war’s dann." Sie schreibe, damit es Menschen lesen und sich Gedanken machen. Solche Prozesse anstoßen zu können, mache sie glücklich. Wobei sich ihre Texte mit ihren zeithistorischen Themen auch gut dazu eignen.

Spannende Gespräche

Bei "Chikago" etwa, in dem es um die Emigration armer Burgenländer in den 1920er Jahren nach Amerika geht, begännen viele Leute zu erzählen. Vom Urgroßvater, der den Sprung über den Großen Teich gewagt hat. Was die Großtante seinerzeit zur Emigra- tion bewogen habe. "Außerdem steht in meinen Romanen nicht alles drin, was ich recherchiert habe, es sollen ja keine Lehrbücher sein." Über die Hintergründe entstünden dann aber spannende Gespräche mit dem Publikum, in denen sie ihr Wissen einbringen könne.

Interessant sei es auch zu beobachten, wie sich die Resonanz in anderen Kulturräumen entwickle. Bauer las bereits in Serbien, der Türkei, in Brüssel. Und im Februar steht tatsächlich eine Lesereise nach Chicago an, wo sie auch ein Semester studiert hat. Sie wird dort aus "Chikago" an verschiedenen deutschsprachigen Universitätsdepartments lesen - und freut sich schon auf den Diskurs. Vorher gibt’s noch einen Zwischenstopp in Paris zur Aufführung eines ihrer Theaterstücke.

"Was ich nie leiden konnte, sind Wasserglaslesungen", sagt Bernhard Aichner. "Ich möchte den Leuten etwas bieten." Sie unterhalten, rühren, zum Mitfiebern und zum Lachen bringen. Auch und gerade, weil er Krimis schreibt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

"Wer sagt, dass bei einer Thriller-Lesung nicht gelacht werden darf?" Oder gesungen. Seit ihn "Die Zeit" kürzlich als "Helene Fischer unter den Bestsellerautoren" bezeichnet hat, singt er einen Schlager mit dem Publikum. "Egon, adieu" hat er extra dafür komponiert. "Ich wollte eh schon immer Schlagersänger werden", zwinkert der 45-Jährige. Seine Leser begreifen den Witz mit Egon natürlich. Sie kennen den Fiesling aus "Totenrausch". So heißt der dritte Band von Aichners Erfolgstrilogie. 2014 hatte ihm die "Totenfrau" den Durchbruch gebracht, 2015 folgte "Das Totenhaus". Alle drei Romane um die Bestatterin Brünhilde Blum enterten die internationalen Bestsellerlisten, eine US-Verfilmung steht an.