Von 3 zu 300 Besuchern

Rein finanziell betrachtet, hätte Aichner es also nicht nötig,
oft vorzulesen. Nichtsdestotrotz könnte man seine Lesereisen als Tourneen bezeichnen. Um die 90 Veranstaltungen waren es im Vorjahr. Er braucht eine Agentur, um das zu organisieren. "Lesungen machen mir einfach Spaß." Er fühle sich den Lesern verbunden. Er denke sich auch gern Neues aus. Demnächst will er einen Gitarristen und Schauspieler mitnehmen. Es klingt, als könne er immer noch nicht fassen, dass er seit einigen Jahren locker 300 Leute in einen Saal bringt. "Ich steh’ dann auf der Bühne und denk’ mir, ,Danke, dass ihr da seid’s’".

Aichner musste sich seine Entertainerrolle bei den Lesungen erst erarbeiten. "Früher war ich schüchtern, jedes Husten hat mich verunsichert." Zu seiner ersten Lesung waren drei Leute gekommen, der Veranstalter und zwei Damen. Er lacht. "Es war aber super." Ein Kamingespräch als erste Bühne. Das erste Mal die Nervosität überwinden.

Aichner ist diszipliniert. Ebenso wie Stavarič kann auch er beim Reisen gut schreiben. "Zu Hause in Innsbruck steht die Familie im Vordergrund." Der Kontakt mit den Lesern inspiriert ihn, und wie Theodora Bauer öffnet er sich gerne deren Geschichten. "Das ist echter und unmittelbarer, als es Google je sein kann." Manchmal bringen ihn Begegnungen buchstäblich weiter. Wie jene mit einem Gerichtsmediziner im Publikum, der ihn zu einer Obduktion mitnahm . . .