Wien Sein Name ist in aller Munde, rund um den Globus. Kein Wunder, handelt es sich bei dem Mann nicht nur um eine Ikone des Wiener Fin de Siècle, sondern auch um einen der teuersten Künstler des internationalen Kunstmarkts. Die raren Arbeiten des Künstlers, die bei Auktionen gehandelt werden, erzielen zumindest zweistellige Millionen-Dollar-Beträge. Das Werk "Adele" ging gar um 135 Millionen Dollar an den Kosmetik-Tycoon und Kunstsammler Ronald Lauder und ist seitdem, ähnlich einer "Mona Lisa", in der Neuen Galerie in New York zu bewundern.

Wie hat es Gustav Klimt und sein Werk geschafft, zur Crème de la Crème der weltweiten Kunstszene zu werden? Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Ablebens am 6. Februar 1918 hinterfragen zahlreiche Museen und Institutionen durch Ausstellungen und Publikationen das Phänomen Klimt und seinen Entwicklungsweg. Eine der Publikationen versucht sich dem Künstler von einer anderen Seite zu nähren. Das Buch "Auf den Spuren von Gustav Klimt" des Journalisten und Autors Gregor Auenhammer beschäftigt sich mit dem Umfeld, quasi dem Nucleus, in dem sich der Maler großteils seines Lebens bewegt hat: der Donaumetropole. Die Auenhammer’schen Spaziergänge führen durch eine intensive, multikulturelle und pulsierende Weltstadt. Während einer Epoche Wiens, in der die Stadt - um es neudeutsch zu formulieren - "geboomt" hat und in vielen Sparten zu den führenden Metropolen gehört hat. Sei es nun in der Architektur, Literatur, Kunst oder Medizin.

Penibel recherchiert

Dieses kosmopolitische Milieu zur Klimt’schen Lebenszeit hat Auenhammer penibel nachrecherchiert. Er hat Orte und Begebenheiten aufgespürt und sie so beschrieben, dass es dem nachlesenden Stadtwanderer ermöglicht wird, sich in diesen Kosmos hineinzuversetzen. Durch die Akribie der Recherche ist man geneigt, einen Filmtitel zu zitieren: von "Being John Malkovich" zu "Being Gustav Klimt". Der Titel korreliert ironischerweise gut mit der Publikation, hat doch der Schauspieler John Malkovich in einer filmischen Allegorie auf das Leben des Künstlers eben diesen dargestellt. Auenhammer hat sich nicht nur detektivisch an den Lebensweg des Künstlers geheftet, sondern er versucht auch, sich in mögliche Denk- und Handlungsabläufe hineinzuversetzen. Besonders, wenn es um Genuss und Sinnesfreuden des Bonvivants geht.

Introvertiert und schüchtern

Denn ein Charakterzug kann mit Sicherheit bei Klimt ausgeschlossen werden: Jener, ein introvertierter und schüchterner Mensch und Künstler gewesen zu sein, der die meiste Zeit seines Lebens und Schaffens in einem Elfenbeinturm verbracht hat. Das ist natürlich ein Glück für den Autor Auenhammer. Wäre der Künstler ein versponnener Nesthocker gewesen, dann wäre das Buch mit einem Drittel des Umfangs ausgekommen: vom Geburtsort, über Wohnung, Atelier, Museen, Secession bis zum Friedhof. So kann über seine Musen und Mäzene nachgelesen werden.

Des Weiteren werden Informationen über private Soupés (wie regelmäßig bei der Familie Lederer) und "Nachtmeerfahrten" in die Loos-Bar (ein Zufluchts- und Sehnsuchtsort des Künstlers) oder das Cabaret Fledermaus geboten. Abseits davon macht der Autor auf Details aufmerksam, die entweder nicht bewusst gewesen sind oder die man im Laufe der Jahrzehnte wieder vergessen hat, wie Klimts Arbeiten im Palais Dumba am Parkring.

Abseits aller Informationen macht Gregor Auenhammers beachtliches Buch wirklich große Lust, sich als Flaneur auf die Spuren des Künstlers zu begeben.