Thomas Hettche ist ein Autor, der souverän zwischen imaginativen und diskursiven Schreibformen pendelt. "Unsere leeren Herzen" ist sein neuer und wie immer brillanter Essayband betitelt. Mit seinem letzten Roman, "Pfaueninsel" (2014), konnte er einen großen Erfolg bei Lesern wie bei der Kritik feiern. Die damit verbundenen Literaturpreise boten Gelegenheiten, Preisreden zu verfassen, in denen sich Hettche mit dem Werk von Kollegen wie Wilhelm Raabe oder Wolfgang Koeppen beschäftigt.

Diese Texte wiederum gingen in den neuen Essayband ein, der aber deutlich mehr ist als eine Form der Resteverwertung. Seine Stärke ist die Vielzahl der Perspektiven und Ansätze, mit denen sich Hettche zumeist anderen Schriftstellern und deren Texten nähert, um immer wieder überraschende oder bedenkenswerte Einsichten zu präsentieren. Auch ein Interview zwischen David Bowie und dem zurückgezogen lebenden Maler Balthus, dessen mehr als nur pädophil angehauchte Bilder in letzter Zeit zunehmend skandalisiert wurden, wird von Hettche in einen Text verwandelt, den man gelesen haben muss.

Immer wieder gelingt diesen Essays der Kunstgriff, Themen, die zunächst wenig interessant wirken, zum Gegenstand faszinierender Einsichten zu machen.