Also, wie wird die Kotz jetzt eibrotn? - Ein kleines Tänzchen hilft, am besten nicht zu einer politisch ganz und gar inkorrekten "Negamusi", sondern zu einem "Lamuhrhadscha". Der enthüllt sein Geheimnis, wenn ich ihn nicht der Aussprache gemäß schreibe: Der "L’amour-Hatscher" ist demnach ein Tanz, bei dem man sich nicht an die streng geregelten Schrittfolgen eines Walzers zu halten braucht, sondern "hatschen" kann, weil es um die Liebe mehr geht als um den Tanz. Letzten Endes holt man als gestandener Wiener vielleicht doch noch die Speckschwarte aus dem Turm - oha, die schulde ich Ihnen ja noch.

Simandl

Es war so: Die Wiener gelten als rechte Simandl. Richtig wär’ das Wort "Sie-Mandl" geschrieben, was ein weibliches Männchen bedeutet. Als solche gelten, wie gesagt, die Wiener, und das schon im Mittelalter. Der Wiener will halt auch in Beziehungsdingen vor allem einmal "a Ruah hom".

Nur freiwillig zugeben - kommt nicht in Frage. Deshalb beschwerten sich die Wiener beim Stadtmagistrat über die üblen Gerüchte, sie stünden allesamt unter der Fuchtel ihrer Frauen. Einer aus dem Magistrat ließ daraufhin in den sogenannten Roten Turm der Stadtmauer (von dem die Rotenturmstraße heute noch ihren Namen hat) eine Speckseite hängen, keine echte, sondern eine aus Holz geschnitzte, samt einer Tafel, auf der zu lesen war: "Befind sich irgend hier ein Mann, / Der mit der Wahrheit sprechen kann, / Daß ihm sein Heyrath nicht grauen, / Und fürcht sich nicht für seiner Frauen, / Der mag diesen Backen herunter hauen."

Der hölzerne Speck hing und hing. Und hing.

Eines Tages kam ein jung verheirateter Bursch. "Ich hol’ die Speckseite herunter", sagte er zu den Umstehenden. Er schnappte sich die an den Turm angelehnte Leiter und stieg hinauf. In der Höhe des Holzstücks angekommen, zückte er sein Messer, um das Seil durchzuschneiden. In dem Moment hielt er inne und stieg wieder hinunter. Unten angekommen, zog er die Jacke aus und wollte schon wieder hinaufsteigen. Da hielt ihn einer der Umstehenden zurück und fragte: "Was soll das?" "No,", erwiderte der Bursch, "wenn ich die Speckseite abschneid‘, kann ich sie nur halten, indem ich sie an mich presse. Wenn dabei meine Jacke schmutzig wird oder gar einen Riss bekommt - was, glaubst du, erzählt mir dann meine Frau?" Die hölzerne Speckseite blieb unangetastet, bis der Turm 1776 abgerissen wurde. Schmähohne.

Missionieren

Und welches Gesicht setzt der Schmäh heute auf, wenn es ihm um Liebe geht? Äugeln wird er und auschmachtn, einedrahn und eiweimbaln, dann schließlich zuwelahna und am Schluss vielleicht sagen: "I steh auf di" oder gar "I mog di". Was dann geschieht, ist nur noch eine Sache zwischen den beiden. Und was sie sonst noch schmähführen miteinander, geht uns schier gar nichts an.

Lassen Sie mich noch etwas erzählen, etwas aus meiner eigenen Erinnerung. Es beginnt als Schmäh in Sachen Religion. Auch den gibt’s. Ich finde das Gschichterl so hinreißend, dass ich es Ihnen trotz des Drumherums, das Sie vielleicht fragwürdig finden, einfach erzählen muss.