Wenn der moderne Mensch, der im Allgemeinen der Auffassung zuneigt, alles Wesentliche im Griff zu haben, mit Dingen konfrontiert wird, die jenseits seines Vorstellungsvermögens sind, dann überkommen ihn Unsicherheit und Angst. Früher wurden solche zutiefst menschlichen Ängste mit Hilfe von Religionen abgefedert. Heute soll das für viele die Wissenschaft leisten. Wenn nun die Wissenschaft gewisse Phänomene (noch) nicht erklären kann oder einzelne Wissenschafter mit dem Kopf durch die Wand rennen und den Beweisnotstand selbst zum Beweis umfunktionieren und erklären, dass es diese Phänomene gar nicht gibt, und wenn dann gleichzeitig eine erhebliche Menge an Menschen diese Phänomene als wahrnehmbar und wohltuend empfindet und für sich nutzt, dann gibt es Streit.

Mein Homöopath, der selbstverständlich ein Studium der Allgemeinmedizin absolviert hat, kennt das Problem seit Jahrzehnten. Er weist immer wieder darauf hin, dass die Homöopathie in renommierten Krankenhäusern, nicht zuletzt in onkologischen Abteilungen, zwischen Hamburg, München und Wien praktiziert wird. Ich fürchte, er konnte in all den Jahren kaum einen von den Kritikern der Homöopathie auch nur zum Innehalten bewegen. Manchmal scheint es mir, als handle es sich hier um eine Art Glaubenskrieg.

Die Berichterstattung um das Krankenhaus Nord und den "Schutzring" gegen schädliche Einflüsse und den damit verbundenen Geldfluss von 95.000 Euro habe ich nur am Rande verfolgt. Beim Nachlesen im Internet scheint es, als hätte dieser Schutzring jedenfalls einen mit Angst und Hysterie gefüllten Druckkochtopf zum Explodieren gebracht. Man beschränkt sich nicht darauf zu fragen, ob das KH Nord diesen nicht gerade günstigen Schutzring braucht oder nicht, sondern schreibt sich in Rage gegen alles, das man nicht versteht und deswegen nicht leiden kann.

Die Nachfrage nach den Diensten von Humanenergetikern muss erheblich sein, wenn es österreichweit mehr als 15.000 von ihnen gibt. In der einseitig geführten Debatte, ob Kinesiologie, Räuchern, Bachblüten etc. etwas bewirken oder nicht, bleibt eine Gruppe auffällig still: die derjenigen, die diese Methoden zur Steigerung des Wohlbefindens (übrigens auf eigene Kosten) nutzen. Mir leuchtet das ein. Wer will sich schon beschimpfen lassen? Während die rasenden Rechthaber schreiben, dass für sie jeder blöd ist, der sich mit solchem Mumpitz befasst, werden weiterhin Termine vereinbart, und es wird weiter Dienst am Kunden geleistet. Was Zeitungen schreiben, ist in diesem Zusammenhang nicht so bedeutend, hier ist Mundpropaganda alles. Vielleicht sind manche Schreiberkollegen ja deshalb so außer sich.