"Es ist wohl eine Illusion, dass dem ‚neuen Menschen‘, dem digital Vernetzten, ein entwickelteres Sensorium entstünde für dicht verwobene Beziehungen und Zusammenhänge, die jemandem, der sinnlich gleichsam auf ‚analoger‘ Stufe zurückblieb, niemals zugänglich sind. Im Gegenteil, ringsum die Komplexitätsvirtuosen sind mit den geringsten Abkürzungen und Andeutungen so schnell verständigt, dass Verstehen gar nicht aufkommen kann. Jener aber empfängt aus den alten Tönen neue verführerische Andeutungen. Ja, seine Sirenen, das sind die ‚alten‘ Töne. Er hat versäumt, sich an den Mast seiner Tage, an dem er lange Zeit so lässig lehnte, rechtzeitig fesseln zu lassen."

Im Wissensstrom

Die alten Töne also, sie kommen von weit her und ihre Urheber, bekämen sie es denn mit, wären sicher überrascht, dass man sie von höherer Warte aus noch wahrnimmt. Das dazugehörige Denken setzte seinerzeit auf eine Weltsicht, die den Menschen als Empfänger, nicht aber, wie es heutzutage wohl der Fall ist, als aufdringlichen, immer verkaufsbereiten Agenten seiner selbst wahrnahm. "Es ereignet sich aber das Wahre", schrieb Hölderlin, Rilke hielt sich zur Neugier an "die Stimmen, die da kommen sollen", und Heidegger wurde auf seiner "Lichtung", eher beiläufig, vom "verborgenen Heimweh" angerührt.

In einem dem Unvordenklichen zugewandten Wissensstrom zu stehen kann anstrengender sein, als sich im Strudel selbstausgeheckter Aktivitäten abzuarbeiten; am Ende fühlt man sich, so oder so, wie sich Nietzsche fühlte, als es langsam zu Ende ging, er war "des Tages müde, krank vom Licht".

"Der Fortführer" ist, wie könnte es anders sein, keine erbauliche Lektüre; wer allerdings durchhält, wird mit einigen frappierenden Einsichten belohnt, die aus dem exponierten Widerstandsbereich stammen - und die immer dann gelungen anmuten, wenn man meint, dass der Autor womöglich ein klein wenig undiszipliniert war oder sich sogar hat gehen lassen.

Wir dürfen froh sein, dass es, in Zeiten, da nicht wenige Autoren sich an eigens für sie in Betrieb gehaltenen Schreibschulen ausbilden lassen, um anschließend literarischen Dienst nach Vorschrift zu schieben, noch einen Dichter wie Botho Strauß gibt; er macht es uns nicht leicht, aber für leichte Verköstigungen gibt es ja genügend andere Dienstleister.