Nichts spricht so sehr für Lyrik wie - sie selbst. Daher fallen wir gleich mit der Tür ins Haus, besser: mit einem Gedicht ins Buch. Und zwar diesem hier:

"copyright: meine muse

meine muse hat heute kopfschmerzen/ auf die nerven geh ich ihr/ mit mühsamer wortklauberei/ meine flüche hat sie satt/ die tritte gegen den laptop/ lehnt ab den teuersten chablis/ will mich nicht länger animieren/ schnallt ab dem pegasus die flügel/ das arme tier schaut dumm verdutzt/ warum nur kündigt sie mir auf/ und mag mich nicht mehr küssen/ da blitzt es durch die lange leitung/ es heilt sie nur apollons kuss."

Dass diese Verweigerung der Muse nur eine ungünstige Tagesverfassung von ihr bzw. ihres Empfängers gewesen sein muss, zeigt der Rest von Ewald Baringers neuem Gedichtband, in dem gut 90 Seiten lang höchste Musen-Animation vorherrscht, auch wenn diese dafür tief in den Alltag hinuntersteigen, manch "einfache antwort" (Titel eines Gedichts) geben und sich in "verflachung oben" mit Wortungetümen wie erwartungshaltungsschädenprophylaxe herumschlagen muss.

All dies gelingt ihr und dem von ihr Geküssten, dem in Klosterneuburg lebenden Journalisten und Autor aber so spielerisch leicht wie poetisch gefinkelt. Und so ergibt sich folgende Konklusio:

". . . die welt gibt es gar nicht/ literatur eventuell aber/ ist auch keine jausenstation/ für bestellte/ nicht abgeholte/ hosenscheißer."