Karl Ove Knausgard: Im Sommer. Mit Aquarellen von Anselm Kiefer. - © Luchterhand
Karl Ove Knausgard: Im Sommer. Mit Aquarellen von Anselm Kiefer. - © Luchterhand

Nachdenken über Dinge

Wenn Karl Ove Knausgard Kaffee kocht, beruhigt mich das. Der Norweger beschreibt das Leben wie es über weite Strecken ist – schlicht, gerade, banal. "Ich holte beide Zeitungen, die vor der Haustür auf dem Boden lagen, setzte Kaffee auf, las das Feuilleton und den Sportteil und aß einen Apfel, während ich darauf wartete, dass der Kaffee durchlief. Als es soweit war, trank ich eine Tasse und rauchte eine Zigarette auf dem Balkon." Die Schilderungen entwickeln einen zutiefst kontemplativen Charakter, der sie in weite Ferne zur Selfie-Kultur oder Facebook-Postings rückt. Es ist vielmehr melancholisches Grübeln, Nachdenken über Dinge. Ein Rasensprenger entwickelt einen Sog von Gefühlen, wird zum Inbegriff eines kindlichen Sommers und schlussendlich zum Indiz, dass Knausgard nun doch erwachsen geworden ist. Im dritten Band seiner Jahreszeiten-Reihe gelingt es Knausgard so, die archetypische Struktur des Lebens freizulegen. Das Ringen mit sich selbst hat er nach den tausenden Seiten seiner monumentalen "Min Kamp"-Reihe weitgehend abgelegt. Was blieb ist die Erinnerung - etwa an Äpfel, oder an Haut, oder an Schaum – und ihre gewaltige Kraft, mit der sie die Gegenwart formt. (Matthias Winterer, Online)

Roman. Karl Ove Knausgard: Im Sommer. Mit Aquarellen von Anselm Kiefer. Luchterhand, 496 Seiten, 24,70 Euro. 2018.

Michael Robotham: Die Rivalin. - © Goldmann
Michael Robotham: Die Rivalin. - © Goldmann

Frauenleben, schwarz gemalt

Man lernt die schwangere Agatha in einem Supermarkt als Träumerin kennen. Sie schlichtet Regale ein und wünscht sich heftig ein besseres Leben, das Leben einer anderen. Diesen Traum von einem Leben lebt die attraktive Meghan, ebenfalls schwanger und Vorstadt-Vorzeigefrau. Ihr Ehemann ist ein erfolgreicher Fernsehmoderator. Ihr Haus ist geräumig und steht in einem Garten, durch den zwei Bilderbuch-Kinder toben. In Michael Robothams jüngstem Thriller stehen sich diese zwei Frauen wie Gegensätze gegenüber, kommen einander näher und steuern auf eine Katastrophe zu. Mit jedem Kapital, das entweder mit "Agatha" oder "Meghan" betitelt ist, fällt ein Schleier von ihren Seelen, leuchtet ein Schlaglicht eine finstere Ecke ihres Wesens aus. Robotham lässt die Frauen ein dunkles Kammerspiel spielen, in dem Seite für Seite jener existenzielle Horror aufgeblättert wird, der in guten Thrillern nun einmal vorkommt. "Die Rivalin" ist eine ideale, dramaturgisch ruhig getaktete Strandlektüre mit überschaubarem Personenregister, in dem Leser-Erwartungen ebenso geschickt enttäuscht wie erfüllt werden. Und weil der Autor sprachlich mit allen Wassern gewaschen ist, glänzt das Buch auch noch mit sauberem Stil. (Franz Zauner, Stv. Chefredakteur, Leitung Online)