Wenn die Literatur, als im Digitalzeitalter antiquierte Kunstform, noch eine noble Aufgabe hat, dann jene, an vermeintlich oder tatsächlich überholten Positionen festzuhalten. So wie Karl, der letzte Kommunist, trauriger Held von Eberhard Rathgebs neuem Buch.

Doch vieles, allzu vieles stimmt nicht mit diesem Roman. Dass der Protagonist, im auslaufenden Marx-Jahr, ausgerechnet denselben Vornamen trägt wie der (Mit-)Verfasser des "Kommunistischen Manifests", ist nur einer der Aspekte, die irgendwie fragwürdig sind. Der Roman liefert just das, was angesichts des Titels auch erwartbar ist: Er erzählt die Lebensgeschichte des aufrechten Kommunisten Karl, der zeitlebens an seinen politischen Überzeugungen festhält. Auch wenn seine Genossen, wie ja der sonstige Rest der Welt, sich vom Kommunismus längst abgewandt haben, bleibt Karl störrisch bei seinem Glauben an eine bessere Welt.

Das nun würde eigentlich Stoff liefern für das Porträt eines Sonderlings, doch die Figur des politischen Querulanten Karl bleibt völlig konturlos und künstlich. Auch davon, dass man beim Thema Kommunismus zwischen der grauenhaften, rundum missglückten Umsetzung in die Praxis und der Utopie einer gerechten Gesellschaft samt gleicher Rechte für alle Menschen trennen sollte, ist im Roman von Rathgeb keine Spur zu finden.

Stattdessen ergeht sich der Autor größtenteils in trockenen, pseudo-didaktischen Ausführungen, die weder Literatur sind noch einen essayistischen Reiz besitzen. Da stellt sich die Frage, was dieser Roman eigentlich soll. Wollte Rathgeb diesen Karl vielleicht als verblendeten Idealisten diffamieren, aber traute sich nicht ganz?

Der tiefere Sinn dieses Buches bleibt so unklar wie die Figurenzeichnung. Hätte dieser Text überhaupt bei einem renommierten Verlag erscheinen können, wäre sein Verfasser, als Feuilletonredakteur einer großen deutschen Zeitung und Ehemann einer einflussreichen Literaturkritikerin, nicht hervorragend im deutschen Literaturbetrieb vernetzt?