Es sind überschaubar gute Nachrichten, die Dirk Müller, Finanzexperte und in Deutschland als "Mister DAX" bekannt, für seine zahlreichen Fans und Leser hat. Die Welt, so schreit es schon vom Umschlag seines jüngsten Buches, steht nämlich "VOR DER GRÖSSTEN FINANZKRISE ALLER ZEITEN". Titel des reichlich dystopischen Werkes: "Machtbeben". Doch Bad News ist in diesem Falle Good News, zumindest für den Autor: Schon wenige Tage nach dem Verkaufsstart Ende August zischte der Doomsday-Schmöker in den Bestsellerlisten in Richtung Spitzenplatz los. "Fifty shades of Crash" sozusagen, und das befriedigt ganz offenbar ein Bedürfnis nach ökonomischer Schmerzlust hunderttausender Leser. Müller, den viele als eloquenten Welterklärer auf deutschen Nachrichtensendern kennen, hat eine relativ einfache und leider plausible These.

Seit dem letzten Crash von 2008 haben alle Notenbanken der Welt unvorstellbare Mengen Geldes gedruckt, was dazu geführt hat, dass die Preise sämtlicher Anlagemöglichkeiten schwindelnde Höhen erreicht haben - von Immobilien über Aktien und Anleihen bis zu alten Weinen oder Autos. Wir haben es, wie es die Ökonomen nennen, zweifellos mit einer ganz enormen Preisblase aller "Assets" zu tun, also aller Möglichkeiten, Geld anzulegen. Weil aber Blasen früher oder später immer platzen, wird auch diese platzen; und weil sie so besonders groß ist, wird sie besonders laut platzen. Dabei werden riesige Vermögenswerte vernichtet werden, sogar Spareinlagen können sich von heute auf morgen in Luft auflösen und die Wirtschaft taucht in eine Depression ein, die Arbeitslosigkeit steigt rasant an, der Wohlstand bricht ebenso rasant ein, prophezeit der Autor.

Alte Weine , hier von Henri Jayer, in der Preisblase. - © afp/Coffrini
Alte Weine , hier von Henri Jayer, in der Preisblase. - © afp/Coffrini

"Ich gehe fest davon aus, dass wir einen deutlich größeren Crash sehen werden als im Jahr 2008. Der war zwar heftig, aber auch kurz. Die Notenbanken sprangen schnell ein und konnten einiges retten. Damals gab es zwar auch Auswirkungen auf die Realwirtschaft, aber das wird im Nachhinein kein Vergleich zu den Auswirkungen eines neuen Crashs sein." Jeder, der sich ein wenig mit wirtschaftlichen Sachverhalten auskennt weiß, dass dies durchaus ein mögliches, um nicht zu sagen wahrscheinliches Szenario ist.

Nicht zuletzt, weil auch die Schulden von Staaten und Privaten schwindelerregende Höhen erreicht haben. "Wir leben mitten in einer Verschuldungs-Orgie, wie es sie noch nie gegeben hat. In den USA verschulden sich private Haushalte immer stärker: Die Studentenkredite haben ein Volumen von 1,2 Billionen US-Dollar erreicht, Autokredite ebenfalls über eine Billion US-Dollar - und darunter sind viele Kreditnehmer mit schwacher Bonität. Dazu zahllose Zombie-Unternehmen in Südeuropa, die nur noch aufgrund der Niedrigstzinsen überleben", diagnostiziert Müller. So plausibel er in seiner wirtschaftlichen Analyse der Lage ist, so befremdlich wird sein Buch freilich, wenn er versucht, den politischen Hintergrund der Weltenlage auszuleuchten. Neben zahlreichen interessanten und informativen Abschnitten etwa über geopolitische Zusammenhänge, Machtinteressen und Konfliktherde verfällt er immer wieder in einen seltsam raunenden, gelegentlich sogar weltverschwörerischen Tonfall, wie man ihn sonst eher aus radikal rechtspopulistischen Publikationen kennt.

Ominöse Plutokraten

So argumentiert er zunächst durchaus plausibel, dass der große Crash die sozialen Spannungen in den USA und Europa erheblich steigern wird. O.k., kann sein. Und schreibt dann wörtlich: Diese Spannungen "werden sich vermutlich - den ,demokratischen Strukturen‘ sei Dank - weniger gegen die Plutokraten, sondern gegen die Zuwanderer richten". Diese ominösen Plutokraten kommen in dem Buch immer wieder vor, ohne dass Müller Ross und Reiter nennt. Was irgendwie ärgerlich ist. Auch was die Anführungszeichen um die "demokratischen Strukturen" sollen, erfährt der Leser nicht wirklich. Mag sein, dass dergleichen Geraune über Bilderberger und andere "Machtnetzwerke" der Auflage und dem Einkommen des Autors bekömmlich ist; seiner Reputation und Seriosität eher nicht. Für alle, die sich ein wenig Geld erspart haben, dem nun eine ungewisse Zukunft droht, lohnt die Lektüre freilich trotzdem.