Ein oberösterreichischer Architekt, der im Ruf eines Widerstandsgeists steht, obwohl er eigentlich nur "zu faul zum Katzbuckeln" ist, bereist mit einer Gruppe internationaler Architekten ein Land in Westafrika. In dessen Hauptstadt Belleville findet ein Kongress statt, auf dem Pläne für ein Studentenheim an der Universität präsentiert werden sollen. Zu der Delegation gehört eine Frau, die Sophie heißt, meist aber nur "die Belgierin" genannt wird, mit der der Architekt, verheirateter Vater von zwei Kindern, seit Jahren ein Verhältnis hat.

Alle Weichen scheinen für die Wiederaufnahme des Verhältnisses gestellt zu sein, doch statt nach einem Lokalbesuch mit der Belgierin eine gemeinsame Nacht im Hotel zu verbringen, lässt er sie allein im Taxi zurückfahren und kehrt in das Lokal zurück, um weiterzutrinken und anschließend eine nächtliche Odyssee durch die Straßen zu unternehmen. Zunehmend entfremdet sich der Architekt seiner Gruppe wie auch seiner Profession, begibt sich in der unbekannten, nicht wirklich anheimelnden Stadt auf Ab- und Irrwege und wird mit ungemütlichen Situationen konfrontiert.

Entgleiste Eindrücke

Das ist im Prinzip die ganze Handlung. Doch "Handlung" ist sowieso nicht Thomas Stangls Prämisse. Vielmehr stellt der 52-jährige Wiener Autor in seinem fünften Roman wieder seine grundsätzlichen Fragen: Was ist Sein, was Schein beziehungsweise Trugbild? Wie vertrauenswürdig ist die Wahrnehmung? Und was löst sie in einem aus?

Ständig scheinen dem Architekten die Sinneseindrücke zu entgleisen. Schon auf der Flugreise nach Westafrika überkommt ihn das Gefühl, sich in einem Spiel seiner Kinder zu befinden. "Er ist im Inneren eines Spielzeugs, denkt er während des Fluges (. . .). Alles ist billiges Plastik und Imitation, diese Sitze, diese Wände, diese Monitore, diese Klapptischchen, der Kaffee in seinem Becher tut nur so, als wäre er Kaffee. Die Zeitung, die er bekommt, tut nur so, als wäre sie eine Zeitung. Die Erde unten ist auch nicht mehr echt. Seine Kinder, auf einer Wiese, halten dieses Plastikzeug in der Hand, schmeißen es einander zu, er schließt die Augen, endlos lang fliegt es durch die Luft, wie ein echtes Flugzeug."

Das Kinderspielmotiv kehrt in diesem Roman regelmäßig wieder. Ebenso eine Figur, die in der Ich-Form von Jugenderinnerungen, Wahnvorstellungen und fremden Städten, insbesondere Paris, erzählt. Mehr und mehr wird dieser Erzähler zu einem Traum-Echo und Alter Ego des Ar-chitekten, bis er schließlich sich selbst als Regisseur eines Spiels und den Architekten als Figur zu erkennen gibt - oder auch halluziniert: "Soll ich nun wieder Ich sagen und damit allen meinen Figuren den Boden unter den Füßen wegreißen, dem Architekten, der ohnehin so wenig Boden unter den Füßen hat?"