Schindler war eine vielseitige Persönlichkeit mit einer exzellenten Formulierungsgabe. Sei es als liberales Mitglied im Abgeordnetenhaus des Reichsrats (18611870), sei es als Autor volksnaher Dramen und von Reiseerzählungen, stets fielen dem Sohn eines Tuchfabrikanten originell-humorvolle Wendungen ein. Im Reichsrat duellierte er sich mit klerikalen Abgeordneten zum Amüsement seiner politischen Freunde. Sie bereiteten ihm allerdings eine Niederlage und hintertrieben seine Kandidatur, sodass er 1870 nicht mehr dem Parlament angehörte. Damals wurde noch indirekt gewählt: Grundbesitzer, Städte, Landtage, Gemeinden und Kammern beschickten das Abgeordnetenhaus. Erst ab 1873 entwickelte sich schrittweise das direkte Wahlrecht, zu spät für Schindler.

Interesse an Chemie

Der umtriebige Autor gab ab 1848 revolutionäre Schriften ("Zwanglose Blätter für Oberösterreich") heraus, die seine Karriere empfindlich behinderten. Er verfasste kritische Pamphlete, welche nicht mit Kritik am "Gesamtministerium" und dem Justizminister sparten. Ein Aliasname schien angebracht, wobei "Traun" auf Schindlers Tätigkeit in Steyr zurückgeht, wo er als Richter am Gut des Grafen Lamberg angestellt war.

Später amtierte er auch im Unterkärntner Wolfsberg als Patrimonialjustiziar. Schindler hatte sich erst in einem zweiten Anlauf für die juristische Laufbahn entschieden und zunächst an der Wiener Universität Philosophie studiert. Sein Interesse galt den Naturwissenschaften, namentlich der Chemie. In der Färberei eines Onkels setzte er seine Kenntnisse um, kehrte dann aber mit 23 Jahren in die Residenzstadt zurück, um Jus zu studieren. Sodann wollte er Notar werden, doch dazu bedurfte es einer freien Stelle und Beziehungen zur Obrigkeit, die dem liberal gesinnten Schindler abgingen. Anders als in Frankreich, wo der Ämterschacher (siehe Stendhals "Rot und Schwarz") blühte, war eine Notarstelle nicht erwerbbar.

Somit musste sich Schindler gedulden und zunächst als Richter und Staatsanwalt amtieren. Noch konnten Grundherren im Zivil- und Strafrecht ihre Untertanen richten, wozu sich betuchte Adelige geschulter Juristen bedienten. Bei Schindler dürfte diese Tätigkeit, angesichts seiner Aufgeschlossenheit für moderne soziale Ideen, für ein Umdenken und Hinterfragen von Vorurteilen gesorgt haben, die in Adelskreisen "einfachen" Leuten gegenüber bestanden.

Dieses Gedankengut floss in seine Dramen ein, von denen vor allem der "Theophrastus Paracelsus" Bekanntheit erlangte. Das Drama aus den 1850er Jahren dreht sich, nicht ganz überraschend, um ein Pest-Wundermittel ("Laudanum"), das nur der modern und egalitär eingestellte Arzt und Naturheiler kennt und einsetzt und das ihm die weniger erfolgreichen Fachkollegen aller Art abjagen wollen.

Einen geistlichen Herrn heilt Paracelsus so rasch von der Tuberkulose, dass ihm dieser das Honorar schuldig bleiben will. Der Reiz des Dramas besteht abgesehen von diesen kleinen Weisheiten im Salzburger Lokalkolorit und in den ironischen Zwischentönen, die an Raimund, aber auch an Nestroys Couplets erinnern. Richtig erkennt der Autor, dass künftig nicht das "Haben" (also der Besitz), sondern das "Wissen" die Welt regieren werde. Tatsächlich haben innovative Softwarepäpste und gewitzte Technologieentwickler wie Bill Gates, Mark Zuckerberg und Elon Musk diese These bestätigt.