"Die Nachricht kam eines Morgens nicht lange nach der Geburt seiner Tochter." Mit diesem Satz beginnt Bernhard Strobels erster Roman. Sinnig wie stimmig lautet der Titel "Im Vorgarten der Palme". Denn die Handlung spielt sich rings um ein Haus ab, nicht mehr in der Stadt - und noch nicht ganz am Land.

Es ist, wie so häufig in bisherigen Texten des 1982 geborenen Autors - der in Wien Skandinavistik und Germanistik studierte, in Neusiedl am See lebt - ein Szenario im zwischenstädtischen Siedlungsnirvana. Und es geht um einen Mann, Leidegger (durchgehend ohne Vornamen), auf dessen Smartphone ein Glückwunschtext von "K" zur Geburt seiner Tochter eingeht. K, jene Frau, mit der Leidegger vor Martina zusammen war und mit der er immer noch Kontakt hält?

Da Leideggers Frau Martina, die wiederum nur mit Vornamen aufscheint, diese Nachricht zufällig sieht, löst die knappe Gratulations-SMS Ehezwistigkeiten aus, die sich immer tiefer in Leideggers Psyche hinabschrauben. Auf ganz stille Art und Weise. Denn es gibt gerade einmal ein halbes Dutzend direkter Sätze. Alles andere - Streit, Entschuldigungen und Pseudo-Entschuldigungen, Widerlegungstaktiken und Widerspruchsstrategien, Selbstlügen und Rhetoriken des Ichs - all dies spielt sich in Leidegger ab. Und fast nur in ihm. Strobel liefert eine Beschreibungsprosa männlicher Gedankenirrwege, -irrgänge und emotionaler Verwirbelungen.

"Menschliche Katastrophen als Stillleben", das meinten Rezensenten über Strobels erste zwei Bände, "Nichts, nichts" (2010) und "Sackgasse" (2007). Ergänzend dazu erklärte er in einem Gespräch mit dem gleich alten Grazer Autor Clemens J. Setz: "Mich interessieren als Figuren die von der Gesellschaft an den Rand Gedrängten. Diese glücklichen Leben, die aus der Werbung und aus den Medien immer auf uns eindringen, das sind Luftblasen."

Leidegger fügt sich in dieses Muster, schwächlicher Mann, der er ist. Strobel weicht seinen bisherigen sprachlichen Minimalismus allerdings auf. Leidegger, schon als Figurenname mehr als nur arg fatal, ist ein sich selbst umkreisender Schwafler, jemand, der Gedankengänge stumm hinunterwankt, um in psychologischen Vorstellungssackgassen zu enden.

Hat sich Bernhard Strobel diesmal zu viel vorgenommen? Oder zu wenig? Dramaturgisch ist der Roman transparent bis zur Vorhersehbarkeit - auch jenes finale Geschehnis, das die Palme - gepflanzter Traum von einem anderen Leben - betrifft.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger, mehr als nur leicht verdrießlicher Eindruck zurück. Von einem Roman Erkenntnisgewinn einzufordern, mag ein wenig antiquiert sein. Doch eben dieser fehlt hier. Allzu oft hat man von den Leideggers dieser Welt nicht nur viel gehört, sondern noch mehr lesen müssen.