Autorin, Lektorin, Übersetzerin: Lisa Halliday. - © Phil Soheili
Autorin, Lektorin, Übersetzerin: Lisa Halliday. - © Phil Soheili

Es sind die frühen Jahre des 21. Jahrhunderts. Ein Militärbündnis unter der Führung der USA okkupiert den Irak. Elfriede Jelinek ist der Literaturnobelpreis zugesprochen worden. Die Bostoner Red Sox überwinden einen vermeintlichen Fluch und gewinnen nach 86 Jahren wieder die World Series im Baseball.

Die 25-jährige Alice, "ehemaliges Chormädchen aus Massachusetts" und nun Lektorin in einer renommierten Literaturagentur, macht auf einer Parkbank in der Upper West Side die Bekanntschaft des berühmten Schriftstellers Ezra Blazer. Sie geht ein Verhältnis mit dem 47 Jahre Älteren ein, der sie zu sich bestellt, wann ihm danach ist, sie hinauskomplimentiert, indem er den alten amerikanischen Schlager "The Party’s Over" anstimmt, ihr Geld für eine Klimaanlage und teure Kleidung zusteckt, sie auf weite Wege zum Einkauf von erlesenen kulinarischen Spezialitäten und immer häufiger auch Medikamenten schickt. In dem Maß allerdings, wie körperliche Leiden zunehmend seine Verfassung und nicht zuletzt seine Stimmung beeinträchtigen, schwindet auch seine Macht über die junge Frau, die entschlossen ist, selbst Autorin zu werden.

Schnitt. Kurz nach der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA im Jahr 2008 wird Amar Ala Jaafari, ein junger amerikanischer Ökonom irakischer Abstammung, aus uneinsichtigen Gründen am Londoner Flughafen Heathrow festgehalten. Er wollte hier kurz einen Freund aus Studientagen treffen und in den Irak weiterreisen, um seinen Bruder zu suchen, der entführt worden ist.

Zwischen quälend langwierigen Verhörrunden im Transitraum erinnert er sich an seine Vergangenheit: Geboren in einem Flugzeug "hoch über dem Ellbogen von Cape Cod" (einer einem Arm ähnelnden Halbinsel im Südosten von Massachusetts), aufgewachsen in Brooklyner Bezirksteil Bay Ridge, und dazwischen immer wieder im Irak gewesen, ist er ein Wandler zwischen zwei Kulturen.

Als eine Art Appendix kehrt ein kurzer dritter, im Jahr 2011 spielender Teil des Romans zurück zu Ezra Blazer, der in einer Radiosendung die Platten vorstellt, die er auf die sprichwörtliche Insel mitnehmen würde und dabei gleichermaßen selbstgefällig wie selbstironisch die Moderatorin umwirbt. Alice kommt nur mehr als Thema in der Erinnerung des Autors vor: Als "junge Freundin", die einen "ganz erstaunlichen Roman geschrieben hat".

Leben im Irak

Diesem Roman, der eigentlich nur dünne Handlungsfäden aufweist und dessen Substanz das Verhalten von Menschen in bestimmten zugespitzten Situationen ausmacht, ist lautes publizistisches Rauschen vorangegangen. Denn in ihm beschreibt - etwas fiktional verschleiert - die heute 41-jährige, mit Mann und zwei Kindern in Mailand lebende Lisa Halliday die Affäre, die sie in ihren Zwanzigern in New York mit dem berühmten Romancier Philip Roth hatte.