Jennifer Egan erhielt 2011 für ihren experimentellen, auch formal mutigen Roman "Der größere Teil der Welt" unter anderem den Pulitzer-Preis. In "Manhattan Beach", ihrem zweiten, konventionelleren Roman, taucht die US-Amerikanerin mit ihrer Protagonistin Anna Kerrigan in die Unterwelt New Yorks ab.

Während der Weltwirtschaftskrise halten sich Annas Eltern mit Näharbeiten und Botengängen unter anderem für die Mafia in Manhattan über Wasser. Irgendwann verschwindet Annas Vater und sie wird zur Alleinversorgerin der Mutter und ihrer behinderten Schwester. Obwohl diese Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs Männern vorbehalten war, wird Anna Taucherin bei der Marine in Brooklyn - und sucht weiterhin nach ihrem verschollenen Vater.

Egan webt in das Netz aus Annas Geschichte, der ihres Vaters Eddie und dessen "Freund" Dexter - als Schnittstelle zwischen den kriminellen Clans und der New Yorker High Society eine komplexe Figur - einige Überraschungen ein; leider treten stellenweise sehr viele Nebenfiguren auf und lenken etwas von den drei Protagonisten und den Beschreibungen der Subkulturen ab, die wir durch sie kennenlernen.

Die präzisen, realistischen Bilder der Autorin und die Sequenzen, die an Schwarzweißfilme erinnern, bilden Resonanzräume für das beschränkte Bild, das wir uns häufig von unseren Mitmenschen machen. Ein spannender historischer Roman über das New York der 1930er und 1940er Jahre und seine Bewohner, die sich in der Stadt und dem Meer davor spiegeln.