"Prof. Dr. Egidius Fitzroy verspürte vage Beklemmungen, wenn er an sein Ende dachte, sein massiger Körper sandte vorsichtige Warnsignale aus, kleine Übelkeitswellen etwa, die von unten nach oben rollten und sich bevorzugt in der Brustmitte festsetzten." Nein, nicht ständig. Gottlob! An besseren Tagen ist Fitzroy, Bestsellerautor a.D. und philosophischer Lebensberater im Dienst der Internationalen Schopenhauer Gesellschaft, noch angriffslustig wie ein Panther. Dann feuert er bei jeder Gelegenheit - leider auch bei mancher unpassenden - Geistesblitze ab. Dann trägt er, für seine bei ihm Rat und Trost suchenden Klienten, mit Empathie Lebensweisheiten zusammen. Und lindert damit Not und Verzweiflung.

Aber die eigene Lebensbilanz des ebenso dicken wie sympathischen Fitzroy sieht eher mager aus: Familie, Frau und eigene Kinder sind als Fehlstellen zu verbuchen. Und die beruflichen Erfolge werden, auch geistiger Getränke wegen, seltener. Die täglichen Niederlagen hingegen nehmen zu, und langsam schleicht sich darum Lebensmüdigkeit an den aufrechten Fitzroy heran. Vor allem, wenn er sich morgens in den Spiegel schaut. Und dort eine rapide gealterte Jammergestalt erblickt.

Die dankbarsten seiner Stammkunden indes altern nicht nur, sondern sterben ihm gerade weg. Und neu in sein Leben treten - statt Menschen, die ihn lieben, oder zumindest schätzen - nur mehr Nervensägen. Eine Plagiatsjägerin etwa, die ihm seine akademischen Titel aberkennen will.

"Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin." Mit diesem Zitat Schopenhauers könnte man die rundum schwierige Situation des wackeren Egidius Fitzroy oberflächlich beschreiben. Aber damit würde man weder der Sache noch den Intentionen Otto A. Böhmers gerecht. Der bringt Fitzroy nämlich nicht deswegen in die Bredouille, um ihn darin untergehen, sondern um den schon Hoffnungslosen wieder auferstehen und während einer Kreuzfahrt neuen Lebensmut fassen zu lassen.

Und um, mit Fitzroy und durch ihn, die Untiefen des Zeitgeistes zu vermessen: "Wir leben in einem Zeitalter, in dem vieles nur noch angedacht, aber nicht mehr durchdacht wird", stellt Fitzroy in einem Brief an einen jungen Mann, der Philosophie studieren will, fest. Und er empfiehlt dem angehenden Studioso zur Lektüre "Die philosophische Hintertreppe" von Wilhelm Weischedel. Auf diese Art wird "Frei nach Schopenhauer" selbst zu einer philosophischen Hintertreppe, und zwar zu einer, die man, wenn man zu den Demütigen und Geduldigen gehört, sehr gerne benutzt. Und für die Eitlen und Stolzen, denen nichts schnell genug gehen kann, und für die auch auf dem Weg zum Himmel nur Haupteingang und Aufzug in Frage kommen, hat Otto A. Böhmer sein ebenso humorvolles wie tiefsinniges Buch ohnedies nicht geschrieben.