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Wien. Florjan Lipus (81) wurde am Montag mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Diese höchste Kultur-Auszeichnung der Republik ist mit 30.000 Euro dotiert. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) würdigte Lipus’ "besondere Stellung als slowenischschreibender österreichischer Autor".

Lipus werde "immer mehr als europäischer Autor wahrgenommen" und passe daher besonders gut zur laufenden österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, sagte Blümel und begrüßte seinen slowenischen Amtskollegen Dejan Presicek. Unter den Gästen bei der vom Carinthia Saxophonquartett und Tenor Gabriel Lipus musikalisch umrahmten Zeremonie im Bundeskanzleramt waren der Autor Peter Handke, Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann, Nationalbibliothek-Chefin Johanna Rachinger, Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser und die beiden Kulturminister Josef Ostermayer und Thomas Drozda (alle SPÖ).

Kunstsenatspräsident Josef Winkler erinnerte in seiner Laudatio daran, dass Lipus als Kind mitansehen musste, wie seine Mutter, nachdem sie eine als Partisanen verkleidete Gruppe von Gestapo-Männern bewirtet hatte, vor seinen Augen verhaftet wurde. Sie wurde im KZ Ravensbrück ermordet. Winkler nahm in seiner Rede auf die Romane "Bostjans Flug" und "Die Beseitigung meines Dorfes" von Lipus Bezug.

Lipus begann seine Dankesrede auf Slowenisch und meinte in Abwandlung des Zitates von Ingeborg Bachmann "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar": "Die Muttersprache ist dem Menschen zumutbar." Habe zur Zeit der Volksabstimmung von 1920 ein Drittel der Kärntner Bevölkerung Slowenisch gesprochen, sei diese Sprache heute nur noch vereinzelt in Dörfern zu hören. Die heutige Würdigung "empfinde ich auch als Wiedergutmachung des Unrechts an den Kärntner Slowenen", sagte der Autor und erinnerte daran, dass sein Heimatort weiterhin keine zweisprachige Ortstafel habe: "Slowenisch ist Österreich zumutbar."

Florjan Lipus wurde am 4. Mai 1937 in Lobnig/Lobnik bei Eisenkappel/Zelezna Kapla geboren. Von 1960 bis 1998 war er Volksschullehrer und -direktor. Zugleich war er von 1960 bis 1980 Herausgeber der kärntnerslowenischen Literaturzeitschrift "Mladje".