Die Kabarettisten des Landes waren fleißig über den Sommer: Die einen haben neue Programme geschrieben (weshalb besonders der Oktober eine geballte Ladung Premieren bringt), die anderen Bücher - und einige haben ein Buch geschrieben, um ihr neues Programm zu bewerben.

Viel Politik bei den Mopeds

So geschehen bei den Gebrüdern Moped (Franz Stanzl und Martin Strecha Derkics), die das Marketing auf die Spitze treiben: Ihr neues Programm "Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe" bewerben sie nämlich gleich als "Die Show zum Buch". Letzteres trägt folgerichtig denselben Titel wie das Programm und handelt vom Wesen des Österreichers. Auf 141 Seiten arbeiten sich die Mopeds an ihren Landsleuten ab, und zwar vornehmlich an der rechten Reichshälfte - natürlich politisch und nicht geografisch gemeint -, aber nicht nur.

Die beiden Masterminds des "Politischen Aschermittwoch im Kabarett" sparen jedenfalls nicht mit seichten wie tiefgründigen Hieben inklusive unterhaltsamer Fotomontagen. Besonders hervorzuheben ist neben ihrem Alphabet des österreichischen Brauchtums jene Doppelseite, auf der man sich als Leser seinen personalisierten FPÖ-Satz bilden kann. Die Moped-Fans werden damit ihre Freude haben.

Mit Joesi Prokopetz auf Urlaub

Auch bei einem Urgestein des österreichischen Kabaretts gibt es beides: Programm und Buch. In diesem Fall allerdings darf der Besuch des Programms "Gürteltiere brauchen keine Hosenträger" nicht als Ersatz für die Lektüre des Buches betrachtet werden. Das handelt nämlich von etwas ganz anderem: vom Urlaub (so wie übrigens schon sein voriges Buch "Kalte Füße in der Karibik"). Über den lässt er sich gemeinsam mit Fritz Schindlecker aus. Wer beide kennt, den Kabarettisten Prokopetz und den Sketchautor Schindlecker, kann sich ausrechnen, wie erholsam die "Urlaubsg’schichten und Reisesachen" sein werden.

Da werden nur so die Klischees hergebeutelt und die Stereotypen durch den Kakao gezogen. Die Pointen sind dabei unterschiedlich lustig, und die Qualität schwankt. Aber insgesamt beweist das Duo seinen scharfen Blick für zwischenmenschliche Abgründe und Unzulänglichkeiten. Der Bogen spannt sich von der nervenzerfetzenden Urlaubsplanung über die Qual der Anreise bis zum mehr oder weniger stillen Erdulden der Touristen an der Urlaubsdestination. Empfohlen seien die schwarz-satirischen 176 Seiten all jenen, die demnächst den Sommer 2019 planen - damit sie statt ins Reisebüro zum Chef gehen und um eine Reduktion der Urlaubstage bitten.

Vier Jahrzehnte Leo Lukas

Deutlich entspannter geht es bei Leo Lukas zu. Der hat zwar auch ein neues Buch abgeliefert, jedoch kein neues Programm. Dafür aber feiert er am 8. Jänner seinen 60er, der mutmaßlich auch der Anlass für "Das große Leo Lukas Lesebuch" ist. Darin hat der Kabarettist, der seit sieben Jahren mit seinem Schüttelreim-Compagnon Simon Pichler durch die Lande zieht (aktuell spielen sie "Fremde (teeren und) Federn"), seine besten Texte aus vier Jahrzehnten zusammengetragen: autobiografische Erzählungen, Gedichte, Mikrodramen, satirische Lieder - und Science Fiction. Denn Lukas war ja auch "Perry Rhodan"-Autor und hat auch ein neues Abenteuer (ab Seite 130) hineingepackt. Nicht nur in dieser Geschichte kommt sein feiner, aber deshalb nicht weniger bissiger Humor voll zur Geltung.