Als der Erzähler und seine schwangere Frau ihre potenzielle neue Wohnung begutachten, ahnen sie noch nicht die tragische Geschichte, die dahinter steht. Der Leser hingegen erfährt sie bald: Denn hier wohnte schon einmal ein glückliches junges Paar - bis Gabrielle bei einem Unfall starb und Martin alleine zurückblieb, und nach und nach verwahrloste, umgeben von all den Büchern, die Gabrielle gelesen und mit Anmerkungen versehen hatte, und von dem Garten, der unter ihrer Aufsicht entstanden war. Dass ihn ein junger Migrant angelegt hatte, erfuhr Martin erst viel später durch Zufall. Und um ein Haar wäre auch der in Martins sozialen Verfall hineingezogen worden.

Es ist eine wunderbar traurige und zugleich schöne Geschichte über die große Liebe und den ohnmächtigen Umgang mit ihrem Verlust, die Stéphane Jougla hier erzählt. Auf 200 Seiten reißt er seine Leser mit in den emotionalen Abgrund, in den sein Protagonist stürzt, umgeben von bunten Blumen und zerlesenen Büchern. Und immer, wenn man glaubt, jetzt wird Martin doch noch gerettet, jetzt kann doch wieder alles gut (oder zumindest der Absturz abgefangen) werden, kommt es noch dicker. Franz Kafka hätte daran ebenso seine Freude gehabt wie Marcel Proust - die übrigens beide ebenso wie viele andere große Schreiber und Denker zitiert werden. Und so weiß man am Ende nicht genau: Darf man die Entwicklung dieser tragikomischen Geschichte jetzt lustig finden oder sollte man sich eher von Marcels tiefschwarzer Trauer anstecken lassen. Wenn es nach dem Autor geht, soll sie aber wahrscheinlich vor allem tröstlich sein - und darlegen, wie groß und überwältigend wahre Liebe sein kann.