Willkommen zur großen Freakshow, die Heinz Strunk sarkastisch und erbarmungslos inszeniert. In "Das Teemännchen", seinem ersten Kurzgeschichten-Band, treten wieder allseits ramponierte Existenzen auf, denen das Schicksal entweder sprechende Namen als Menetekel verpasst hat oder nicht minder sprechende Bezeichnungen wie Gnom, Penner, Nutte oder Blogger. Von den gesellschaftlichen Rändern castet Strunk sorgsam und penibel seine bizarren Kreaturen, die sonst nur bei RTL II in vielerlei hermetisch abgeriegelten Formaten groß auftrumpfen dürfen. Neu ist, dass bei ihm endlich auch die Gleichberechtigung Einzug gehalten hat und neben Männern auch Frauen als Deklassierte und Deprimierte präsentiert werden.

Strunks Interesse an Versagern und Verlierern kennt keine Grenzen: Ob Alte, Dicke, Kranke, Doofe, Ossis, Dorfis, auch alte Dicke, kranke Dorfis, doofe Ossis oder andere Konstellationen - vor des Autors grotesk-ulkigem Tribunal sind alle Menschen gleich: gleich in ihrem fatalen Hang, aus sich und ihrem bisschen Leben wenig bis gar nichts zu machen. Die Anklage wird generell schonungslos offen und drastisch vorgetragen, das Urteil lautet meist: selbst schuld. Der Autor als Richter ist nicht zimperlich, seine lakonische, plakative Sprache hat kaum Mitleid, Charakterisierungen sind mehr Lästereien und Beleidigungen. Auf Tragik wird mit Drastik, auf Drama mit Zynismus, auf unfreiwillige Komik mit erzwungenen Gags reagiert.

Die von ein paar Zeilen bis zu ein paar Seiten reichenden Stories aus dem Abseits spielen mit Genres wie Nachricht, Glosse, Polemik, Kommentar, Betrachtung, Erinnerung, mischen Beobachtungen, Anmerkungen, Überlegungen ganz selbstverständlich miteinander. Für Dialoge (oder Monologe) ist kein Platz, für respektlose Zuschreibungen und deftige Beschimpfungen hingegen schon.

Heinz Strunk behält die Fäden der Figuren fest in den Händen, er führt sie nach seinen Vorstellungen und zu seinen Bedingungen, viel Raum zum Scheitern bleibt nicht. Die Welt der Stolpernden, Fallenden und Liegenbleibenden ist einfach konstruiert, vielschichtige, überraschende Schicksale und Katastrophen sind nicht zu erwarten.

Von Empathie des Erzählers für sein Personal ist wenig zu merken. Bekam in der Langform der Frauenmörder Fritz Honka (in Strunks hochgelobtem "Tatsachenroman" "Der goldene Handschuh") davon reichlich ab, haben in der Kurzform Janine, Marcel, Steffen, Jenny oder Mandy schlechte Karten. In jenen Momenten allerdings, wenn Strunk das Beschreiben über das Beurteilen stellt, profitieren nicht nur die Betroffenen. Dann sind Gesichter statt Masken zu erkennen, Menschen statt Freaks.