H kan Nesser ist der Großmeister des vielschichtigen Schweden-Krimis. - © Caroline Andersson
H kan Nesser ist der Großmeister des vielschichtigen Schweden-Krimis. - © Caroline Andersson

Frankfurt. Seine ersten literarischen Morde beging der Bestsellerautor mit Millionenauflage noch während seiner Zeit als Gymnasiallehrer. Håkan Nesser gilt als Philosoph unter den Krimiautoren. Die Romane des 68-jährigen Schweden sind kunstvoll. Seine Helden, der eigenwillige Kommissar Van Veeteren und sein Nachfolger Inspektor Barbarotti, haben Kultcharakter. Mit "Intrigo - Tod eines Autors" startet jetzt seine hochkarätig besetzte Film-Trilogie und bringt einige frühe Novellen exzellent auf die Kinoleinwand. Die "Wiener Zeitung" traf den äußerst humorvollen Autor und Sohn eines belesenen Bauern im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

"Wiener Zeitung": Drei Ihrer raffiniert doppelbödigen Erzählungen wurden jetzt fürs Kino verfilmt. Was verbindet diese Trilogie?

Håkan Nesser: Sie kreisen alle um Schuld und Rache und auch um Eifersucht. Sie handeln von Männern, die von Frauen verlassen werden, der Balance von Gut und Böse und den Konsequenzen von Taten aus der Vergangenheit. Der Hauptcharakter aus "Intrigo - Tod eines Autors", dem Film, der jetzt startet, ist eine komplizierte Figur, glänzend gespielt vom deutschen Schauspieler Benno Fürmann. Er ist kein wirklich Guter, aber auch kein durchtriebener Bösewicht. Er ist dazwischen, etwas zwielichtig, wie bei einem Film noir. Manchmal denkt man, er ist ein Idiot. Dann versteht man ihn wieder. Und so, finde ich, sind wir alle. Zudem steht er ziemlich unter Druck. Er ist in einer äußerst stressigen Situation. Und als Leser oder Zuschauer fragt man sich unwillkürlich, wie weit geht er, aber auch, wie weit würde ich an seiner Stelle gehen. Ich hoffe, das Publikum kann sich mit ihm identifizieren und ihn auf die eine oder andere Weise verstehen.

Das Verhalten der weiblichen Hauptfigur erscheint naiv und riskant, dem Ehemann in dieser Situation einen Seitensprung zu beichten.

Das hat sie meiner Meinung nach nicht so geplant. Ich sehe es so, dass sie dieser Beziehung eine letzte Chance geben wollte. Für mich ist es der verzweifelte Versuch, durch diese Urlaubsreise die Beziehung zu retten. Sicher kommt es nicht selten vor, dass diese Hoffnung trügt und das Konzept nicht aufgeht. Im Film ist sie das Opfer. Aber auch sie hat ihre dunklen Seiten. Natürlich ist es keine gute Idee, beim gemeinsamen Urlaub plötzlich zu sagen: "Und übrigens, ich habe einen Geliebten, ich betrüge dich."

Regisseur Daniel Alfredson inszenierte bereits zwei Teile der erfolgreichen "Millennium"-Trilogie des politischen Krimiautors Stieg Larsson. War das für Sie wichtig?