"Wenn das Dorf schläft, schleichen all seine Hunde über die Höfe und durch die Gärten. Ihre Schnauzen spüren dicht am Boden nach Lebendigem. Das Lebendige ist draußen. Drinnen schläft, was noch lebt." So atmosphärisch dicht beginnt der fünfte Roman der gebürtigen Ostdeutschen Kathrin Gerlof, die in Berlin lebt. Eine aufgrund der erzählerischen Genauigkeit bis zum Ende fesselnde Geschichte über den Alltag in der ostdeutschen Provinz, den Verfall der deutschen Mittelschicht, die deutsche Flüchtlingsdebatte und die private Krise eines Paars.

Marthe und David müssen im Jahr 2005 Privatinsolvenz anmelden und ziehen von Berlin an den Rand eines brandenburgischen Dorfes in ein heruntergekommenes Haus, das David geerbt hat. In der Einöde, umzingelt von genmanipulierten Maisfeldern für Biogasanlagen, haben zwei Großbauern das Sagen. Als Flüchtlinge in ehemaligen Zwangsarbeiterbaracken untergebracht werden sollen, breitet sich Unruhe unter den Dörflern aus.

Für die Außenseiterin Marthe, die sich auch November nennt, birgt der Zuzug der Fremden auch Chancen. Langsam löst sie sich aus der Starre, in die der Umzug und Kulturschock sie versetzt haben. Ihr Mann zieht sich hingegen immer mehr in sich zurück, verstummt, während es in seinem Kopf "brüllt und tobt".