(fib) "Moment noch Frau Freitag, gleich fertig mit Handy", "Hab ich Selbstbräuner raufgesprüht und heute Morgen voll Schock: volldunkelbraun": Unter dem Synonym "Frau Freitag" beschreibt eine Berliner Gesamtschullehrerin den ganz normalen Schulalltag in einem Berliner Problem-Kiez. Nach "Chill mal, Frau Freitag" ist nun ihr zweites Buch erschienen; "Voll streng, Frau Freitag!" befindet sich derzeit auf Platz Eins der Spiegel-Bestseller-Liste.

Darin beschreibt die Lehrerin wie schon in ihrem Erstlingswerk, wie sie ihre Klasse täglich in den Wahnsinn treibt - und warum sie trotzdem den besten Beruf der Welt hat. Sie hat die Jugendsprache ihrer Schüler aufgegriffen und wieder ein kurzweiliges, amüsant zu lesendes Buch vorgelegt. Frau Freitag beeindruckt nicht zuletzt mit ihrer lockeren und niemals resignativen Haltung, obwohl ihre Schüler nicht auf sie hören, notorisch zu spät im Unterricht erscheinen, um dann erst einmal gemütlich zu frühstücken.

Alles begann mit einem Internet-Blog
Zum Schreiben begann die Berliner Gesamtschullehrerin im Internet; sie war erstmals Klassenlehrerin und ihre Achtklässler waren sehr schwierig - "voll in der Pubertät", wie sie der Berliner Zeitung sagte. Sie nahm die Probleme mit nach Hause und wollte sich im Internet auf Lehrerblogs oder -foren Hilfe suchen. Doch sie fand keine Seite, auf der sie sich austauschen konnte und erstellte schließlich ihrem eigenen Blog, den sie bis heute betreibt. Frau Freitag nennt ihre Erzählungen eine Mischung aus "Leidensdruck und kuriosen, lustigen Erlebnissen".

"Wie kam man ins Internet, als es noch keine Computer gab?"
So auch in ihrem neuen Buch. Ihre Klasse ist jetzt in der Zehnten, alles dreht sich um den Schulabschluss. Wirklich alles? Während Frau Freitag ihre Schüler nachts auf Facebook an ihre Bewerbungen erinnert und tagsüber durch die Prüfungen schleust, haben Bilal, Emre und Mariam ganz andere Probleme: "Wie kam man eigentlich ins Internet, als es noch keine Computer gab?"

Frau Freitag beneidet ihre Schüler um ihre Rap-Fertigkeiten
Sie würde gerne so gut rappen und tanzen wie ihre Schüler, und teilweise wirkt es, als wäre ihre Klasse ihr bester Freund. Liest man aus dem Alltag der unerschrockenen Lehrerin kann es passieren, dass man sich wünscht, Teil dieses seltsamen Universums Schule zu sein. Doch auch wenn der Lehrerjob von Frau Freitag als der tollste der Welt dargetellt wird - will man wirklich in muffigen Lehrerzimmern sitzen und Schüler ständig davon überzeugen, dass ein Abschluss gar nicht schlecht ist und die Karriere als Rapper hintanzustellen ist? Dann wünscht man sich eher, in Frau Freitags Klasse die Schulbank zu drücken - um dann am Zeugnistag tatsächlich Dinge zu hören wie: "Frau Freitag, Sie haben mein Leben gefickt".