Anti-PKK-Demo in Wien im Jahr 2011 mit mehreren Fahnen der "Grauen Wölfe". - © Toumaj Khakpour
Anti-PKK-Demo in Wien im Jahr 2011 mit mehreren Fahnen der "Grauen Wölfe". - © Toumaj Khakpour

"Graue Wölfe" sind vielleicht einsam, aber nicht allein: In Österreich hat die türkische faschistische Jugendorganisation derzeit großen Zulauf bei Personen mit Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Denn Machokulturen reagieren sehr sensibel auf Diskriminierung. Und solange Ausgrenzung und Erniedrigung den Alltag von jungen Türken in Österreich prägen, bleibt der Nährboden dafür frisch, heißt es in dem Buch "Grauer Wolf im Schafspelz" über  Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft, herausgegeben von der Volkshilfe Oberösterreich.


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Wenn die Bozkurtlar, wie die Grauen Wölfe auf Türkisch heißen, gemeinsam heulen, dann wollen sie ihre drei Ms zu Schau stellen: Militarismus, Märtyrerkult und Männlichkeit – allesamt gekoppelt an einen religiös motivierten Nationalismus. Ihre Symbole: ein heulender Wolf mit lang gestrecktem Hals und drei Halbmonde, die die Phantasie von Asien, Afrika und Europa als Großreich symbolisieren. Ihr Gruß: ein erhobener rechter Arm mit abgespreiztem Zeige- und kleinem Finger. Das Tier selbst steht für die Abstammungslegende der Türken.

Unwissen und Ignoranz

Die "Grauen Wölfe" sind die militaristische Jugendbewegung der türkischen faschistischen Partei MHP (Milliyetci Hareket Partisi, Partei der Nationalen Bewegung). Historiker gehen davon aus, dass die Grauen Wölfe vor allem in den 1970er und 1980er Jahren tausende Menschen ermordet haben. Ihre Opfer sind vor allem Linke, Kurden und Minderheiten. Aber auch der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca kam aus den Reihen der "Grauen Wölfe". Die Wurzeln dieser Organisation sind verzweigt und reichen bis ins Osmanische Reich des 19. Jahrhunderts zurück: auf den Geheimbund der chauvinistischen jungtürkischen Bewegung. An deren Ideen knüpfte 1961 Alparslan Türkes mit der MHP. Seither ist sie ein wichtiger Akteur in der türkischen Innenpolitik, an der Spitze der Partei steht mittlerweile Devlet Bahceli.

Wie kommt es, dass diese militante Gruppe in Österreich Fuß fassen konnte? Und wer steckt hierzulande hinter diesen Rechtsextremen? In insgesamt sieben Kapiteln beleuchten die vier Autoren von "Grauer Wolf im Schafspelz" neben diesen Fragen auch Geschichte, Organisation und Expansion nach Europa, ein Ländervergleich gibt Überblick über Entwicklungen und aktuelle Situation in Österreich und Deutschland.
Der Befund für Österreich könnte nicht schlechter ausfallen: Verharmlosung, Wegschauen und Anbiederung – allesamt geprägt von Unwissen und Ignoranz  - kennzeichnen laut Autoren hierzulande den Umgang mit dieser faschistischen Organisation. Schuld daran sei vor allem die Homogenisierung von Einwanderern als einheitliche Gruppe: Für viele Österreicher gibt es keine politischen, sozialen, oder religiösen Unterschiede innerhalb der Eingewanderte. Dafür fehlt das Interesse am Anderen, kritisieren zwei Autoren. Selbst der Verfassungsschutz bescheinigt den "Grauen Wölfen" Gewaltpotential, allerdings liegt dieser Vermerk bereits drei Jahre zurück. Obwohl die "Grauen Wölfe" sowohl digital als auch analog, vor allem auf YouTube, in Jugendzentren und Schulen höchst aktiv sind.