Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Funke gerne die gesamten Anteile veräußert hätte. Das würde zumindest zur Strategie der letzten Jahre passen, im Laufe derer sich Funke aus mehreren Ost-Ländern zurückgezogen hat, um sich aufs deutsche Regionalgeschäft zu fokussieren.

Maximalanteil verkauft

Möglich also, dass Funke jenen Maximalanteil verkauft hat, der rechtlich ohne Zustimmung der anderen Gesellschafter möglich war. Gut möglich auch, dass Benko Synergien mit seiner jüngsten Akquise sieht: Die Kika/Leiner-Gruppe, die er aus einer Insolvenz aufkaufen konnte, ist noch immer ein großer Werbekunde bei "Krone" und "Kurier". Eine Beteiligung würde dafür sorgen, dass das Geld zumindest zum Teil im Haus bleibt.

Benkos Imperium, die Signa Holding, hat der 41-jährige Selfmade-Milliardär bereits mit 22 Jahren aufzubauen begonnen. Der Geschäftsmann stammt aus einfachen Verhältnissen und hatte schon in frühen Jahren einen Hang zum Luxus. Benko gelang es schon früh, Reiche und Prominente von seinen Geschäftsideen zu überzeugen. Kurz nach der Gründung seiner Signa Holding begegnete er dem "Stroh"-Tankstellenerben Karl Kovarik, der sich 2001 in Benkos Unternehmung einkaufte. Mit Kovariks Geld wuchs die Signa Holding zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen.

Die Signa Holding expandierte rasant, von Prag bis zum Gardasee, von Frankfurt bis Mailand ist Benkos Immobilienkonglomerat präsent. Eines der bekanntesten Projekte ist das Goldene Quartier mit Luxusshops und Penthäusern in der Wiener Innenstadt. Benko ist heute einer der größten privaten Immobilienbesitzer in der Hauptstadt, sein Vermögen wird auf 3,7 Milliarden Euro geschätzt, das Immobilienvermögen der Signa Holding beträgt rund 7,5 Milliarden Euro. Benko werden exzellente Kontakte in die Politik, sowohl zu SPÖ als auch ÖVP nachgesagt.

Raiffeisen, die die Mehrheit am "Kurier" hält, sieht den Kauf indessen "gelassen". Raiffeisen werde im "Kurier" weiterhin "die klare Mehrheitsposition von 51 Prozent" haben und es werde sich somit nichts ändern, sagte der Chef der Raiffeisen-Holding-Chef und "Kurier"-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder. Raiffeisen sei von der Vereinbarung zwischen Funke und Signa kurzfristig informiert worden, meinte er. Aber: "Meines Wissens ist es so, dass nach wie vor Funke selbst in der Österreich-Holding die alleinige Kontrolle hat. Unter dieser Voraussetzung ändert sich nichts."