Wien. Es ist kein Geheimnis: Mit dem Geschäftsgang der "Kronen Zeitung" konnte zuletzt keiner der Hälfteeigner zufrieden sein. Die Zeiten der satten Gewinne des Massenblattes sind lange vorbei und die Kostensenkung ging wohl nicht so rasant voran, wie es das sinkende Branchenumfeld verlangt hätte. Die Dichand-Seite dürfte das wohl weniger gestört haben als die deutschen Miteigner bei Funke. Eine Gesellschaftervereinbarung aus besseren Zeiten garantiert der Familie die Auszahlung von jährlichen Millionengewinnen - unabhängig von der Geschäftslage. Sollte das Geschäft das nicht tragen, müssen die Deutschen nachschießen.

Klar, dass unter solchen asymmetrischen Voraussetzungen wenig Druck zu echten Reformen besteht, vor allem wenn man den ungeliebten Hälftepartner eigentlich ohnehin loswerden will. Doch das hat bisher noch nicht funktioniert. Funke zahlte - und hielt eisern durch. Eine ganze Reihe von Schweizer Schiedsverfahren, die die Essener angestrengt hatten, brachten keine wesentliche Verbesserung. Abseits der Verfahrenstermine soll eisiges Schweigen geherrscht haben. Auch über einen Verkauf der Anteile konnte man sich nicht verständigen, es sei am Preis gescheitert, hört man aus der Branche.

Schafft Benko den Weckruf?

Dass Funke nun den Immobilienmilliardär René Benko mit 24,22 Prozent am "Kurier" und 24,5 Prozent an der "Krone" an Bord holt, kann als finaler Versuch interpretiert werden, diesen gordischen Knoten zu lösen. Dass Benko auf dem Papier lediglich über eine Minderheitsbeteiligung verfügt, dürfte wohl ebenso den alten Verträgen geschuldet sein - Kenner gehen von einem Vorkaufsrecht der Funke-Mehrheit durch die Dichands aus. Das wird Benko jedenfalls nicht davon abhalten, gemeinsam mit Funke auf Reformen zu drängen. Es darf weiters davon ausgegangen werden, dass sich Christoph Dichand, vom Unternehmer-Typus her auch eher Investor denn operativer Entscheider, sich möglicherweise mit einem dynamischen Tiroler Macher wie Benko leichter auf eine Richtung einigen kann denn mit dem alten Erzfeind aus Essen. Am Freitag wurden Benko und Dichand jedenfalls laut "Presse" bereits beim gemeinsamen Essen in einem Wiener Nobelhotel gesichtet.

Denn eines ist klar: Gerade bei der "Krone" hat sich in den letzten Jahren ein Reformstau gebildet, der wohl jetzt aufgearbeitet werden muss. Zwar wurde die noch vor wenigen Jahren heillos überalterte Redaktion mittlerweile graduell verjüngt, von einer agilen, dynamischen und vor allem digital-affinen Redaktion wird man auch bei wohlwollender Betrachtung nicht sprechen können. Das digitale Produkt hat mit dem Print-Produkt schon jetzt nichts zu tun, die mittelfristige Online-Strategie des Hauses scheint Insidern unklar.

Anders ist es bei der "Kurier"-Beteiligung, wo Raiffeisen auch nach dem Einstieg Benkos eine klare Mehrheit hält und diese wohl auch nicht abzugeben gedenkt. Dass der "Kurier" aus Sicht der Bank offenbar noch andere Aufgaben zu erfüllen hat als ein reines Finanzinvestment, liegt auf der Hand. Sonst hätte man dort in den vergangenen fünfzehn Jahren wohl kraftvoller ans Reformwerk gehen müssen. Insofern eignet sich der "Kurier" vielleicht noch weniger für ein reines Finanzinvestment als die "Krone".

Reiz der starken Marke

Beiden Häusern ist gemein, dass die starke Marke analog wie auch digital wohl das attraktivste Asset ist. Es wird interessant sein zu sehen, was Benko sich dazu überlegt hat. Die Motive des Self-Made-Mannes mit guten politischen Beziehungen waren auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Dass sich an der politischen Linie der "Krone" etwas ändern wird, ist trotz allem unwahrscheinlich.