Eigentlich sind es unverkennbare Szenen. Der Feind auf hoher See hat sie entdeckt, das Boot muss auf Tauchstation gehen. Die roten Lichter, die dunklen, mit Nebel durchfluteten Gänge, das zarte orchestrale Crescendo aus Klaus Doldingers unverwechselbarem Score. Das kann nur der deutsche Filmklassiker "Das Boot" von Wolfgang Petersen sein. Doch der Schein trügt. Innerhalb der ersten neun Minuten verliert die Crew den Kampf und sinkt hinab in ihr nasses Grab, während ein britischer Soldat kommentiert, das Einzige, was ihm wichtig sei, ist, "dass ich hier oben am Leben bin und die da unten tot sind".

Es handelt sich somit nicht um die klaustrophobische Filmadaption des Romans von Lothar-Günther Buchheim, sondern die achtteilige Serie "Das Boot", eine Kooperation von Sky Deutschland, Bavaria Fiction und der amerikanischen Produktionsfirma Sonar Entertainment. Inspiriert von Buchheims Romanen "Das Boot" und "Die Festung", haben die Autoren Tony Saint und Johannes Betz mit der Serie eine neue Geschichte rund um den deutschen U-Boot-Krieg entwickelt. Regie führte bei allen acht Folgen der Österreicher Andreas Prochaska, der mit Filmen wie "Das finstere Tal" berühmt wurde.

Frauen müssen her

Die Handlung knüpft im Herbst 1942 neun Monate nach den Ereignissen des Originals an und bedient sich ebenfalls der klassischen Motive Buchheims: Der blinde Fanatismus, der junge Männer massenweise in einen sinnlosen Krieg treibt und sie gnadenlos verheizt. Doch die Serie blickt nicht nur aus der Sicht der deutschen Protagonisten auf den Atlantik-Krieg, sondern erweitert diese Perspektive um die des französischen Widerstands im Hafenort La Rochelle.

Der Grund für zwei Handlungsstränge ist zunächst ein strategischer. "Wenn du eine Geschichte über acht Episoden erzählst, kannst du dich nicht die ganze Zeit auf dem Boot befinden", resümiert Sky-Entertainment-Vizepräsident Marcus Ammon. Den Produzenten und den Autoren war zudem klar, dass sie für ein modernes Publikum auch weibliche Charaktere einführen müssen. Da dies im Kriegsapparat nicht möglich war, verfiel man auf die damalige Résistance, in der Frauen eine wichtige Rolle spielten.

Der Fokus auf Frauen manifestiert sich in der gebürtigen Elsässerin Simone Strasser (Vicky Krieps), die in La Rochelle ankommt, um als Übersetzerin für die deutsche Marine zu arbeiten. Vor Ort ist auch ihr Bruder Frank (Leonard Scheicher), der mit der 40 Mann starken Besatzung der U-612 auf ihre Jungfernfahrt auslaufen soll. Kommando an Bord hat der wenig erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon), der regelmäßig mit seinem 1. Wachoffizier Karl Tennstedt (August Wittgenstein) aneinandergerät, da beide verschiedene Vorstellungen von Kriegsführung haben.