• vom 23.11.2018, 09:00 Uhr

Medien


Hooked

Horror im WhatsApp-Format




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Von Adrian Lobe

  • Die App "Hooked" sorgt in der digitalen Literaturszene für Furore: Sie erzählt Geschichten als Chat.

Schon spannend, so ein Cliffhanger im Chatverlauf. - © picturedesk/Richárd Bellevue/Westend61

Schon spannend, so ein Cliffhanger im Chatverlauf. © picturedesk/Richárd Bellevue/Westend61

Auf dem Kurznachrichtendienst WhatsApp werden täglich 65 Milliarden Textnachrichten verschickt. Darunter finden sich mannigfaltig banale und belanglose Inhalte. "Wie geht es dir?", "Wann kommst du nach Hause?", "Ist Lisa jetzt mit Stefan zusammen?" Dass Chatverläufe das Potenzial zu Literatur haben können, beweist die Story-Telling-App "Hooked". Mit der App können Nutzer fiktionale Gruselgeschichten in Chatform lesen. Hat man die App auf seinem Smartphone installiert, kann man im Menü aus verschiedenen Storys auswählen. Zum Beispiel die Kurzgeschichte "Hooked Where Is She Story Part 1".

Zunächst eröffnet die Protagonistin Tiffany den Dialog in einem Chatfenster. "Hörst du das?" Daraufhin erwidert die Mutter: "Was?" Darauf Tiffany: "Ein Baby schreit." Durch Klicken des Buttons "Next" kann der Nutzer jeweils den nächsten Dialogteil aufklappen. Der Leser fragt sich an der Stelle natürlich, woher das Geräusch kommt, warum das Baby schreit und ob möglicherweise ein Gewaltverbrechen geschah. Durch die Reduktion von Text und künstliche Cliffhanger wird ein Spannungsbogen erzeugt. Die Lakonie, die extreme Verknappung, welche Textnachrichten innewohnt, wird zum Stilmittel. Und das kommt an.


Millionenerfolg
Über 20 Millionen Mal wurde die App bereits heruntergeladen. In den USA war "Hooked" bereits 2017 auf Platz 2 der "Top Free Apps" im App Store, in Großbritannien ging die App Anfang des Jahres durch die Decke. Vor allem bei Millennials ist das Angebot beliebt. Beklagen Buchhandel und Bildungsverbände nicht allenthalben, dass Jugendliche immer weniger lesen? Gewiss, in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie, in denen Bücher mit Spiele-Apps konkurrieren, haben es spezielle längere Texte schwer. Doch "Hooked" liefert den Beweis, dass man auch junge Leute für Literatur begeistern kann.

Die Geschichte ist natürlich auch eine erstklassige Success-Story: Die Entwickler rühmen sich damit, zehn Millionen Teenager zum Lesen auf ihren Smartphone-Displays animiert zu haben. Chat-Fiction, worauf sich "Hooked" versteht, wird von Blogs bereits als neue Literaturgattung gefeiert. Die App-Entwickler haben die Vision, ein neues Storytelling für das digitale Zeitalter zu kreieren. "Unser Ziel ist Engagement, fesselnde Dialoge, die Teenager und Millennials dazu zu bekommen, Zeit in einer Erzählung zu verbringen, die Story zu Ende zu lesen und nicht abgelenkt zu sein", sagte Prerna Gupta, der Gründer und Chef von "Hooked". "Horror war das erste Ding, wo es Klick machte."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-22 16:04:34
Letzte Änderung am 2018-11-22 16:06:21


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