Das koreanische Start-up sieht von Videoveränderungen ab, konzentriert sich stattdessen auf Audiodateien. Im Vergleich zu anderen Betrieben, die Sprachsynthetisierungen entwickelt haben, darunter Amazon und Google, benötigt Neosapience deutlich weniger Rohstimmenmaterial. "Die anderen brauchen 100 Stunden sehr kontrollierter Aufnahmen", sagt Taesu Kim, dem schon eine Stunde genügen soll, um seine Maschine zum Lernen zu bringen und rasch klug werden zu lassen.

So viel zur Leichtigkeit, mit der Sprachen und Texte in Zukunft gebaut werden können. Ein qualitativer Sprung in der Entwicklung ist aber die Generation von unterschiedlichen Sprachen, die der Ursprungsbesitzer der Stimme dazu gar nicht beherrschen muss. Um die Idee zu demonstrieren, veröffentlichte Neosapience im Sommer, als sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Regierungschef Kim Jong-un zu einem Regierungsgipfel in Singapur trafen, die Ansprachen der beiden Staatsmänner auf der je anderen Sprache: Trump sprach plötzlich koreanisch, Kim trug auf Englisch vor. Es klang ziemlich überzeugend.

Dabei ist es kein Zufall, dass so eine Innovation aus Südkorea kommt. Das Land mit einer der höchsten Internetdichten der Welt landet im aktuellen "Innovation Index" des Finanzdienstleisters Bloomberg auf dem ersten Platz. Auch auf der Messe "Invest Korea Week" Anfang November, mit der die koreanische Außenhandelskammer ihr Land als Produktions- und Investitionsstandort anpries, fiel vermehrt auf, wie sehr sich dortige Unternehmen mit der intelligenten Verarbeitung von Daten beschäftigen.

So wird in Incheon, südlich der Hauptstadt Seoul, gerade die Blaupause für ein neues Konzept einer Smart City entwickelt, das von Südkorea in den kommenden Jahren in andere Länder exportiert werden soll. Kernkonzept hierbei ist die Integration und Harmonisierung aller möglichen Daten, die bisher bei verschiedenen Behörden eingehen, um ein einheitliches städtisches Datenzentrum zu entwickeln. So können in Incheon Polizei und Feuerwehr, im Rahmen der Gesetze zur Privatsphäre, auf dieselben Daten zugreifen, um eine erhöhte Sicherheit zu gewährleisten. Geht es nach den Planern, sollen bald auch Daten von sozialen Netzwerken eingespeist werden, um den Bewohnern anhand derer Daten bessere Empfehlungen für Stromsparen Kulturangebote zu machen. Nicht jedem dürfte dies gefallen. Aber eine Effizienzsteigerung des Alltagslebens wäre erreicht.

Weltmacht der Daten

Ein Unternehmen der Samsung-Gruppe arbeitet derzeit an einer intelligenten Simultanübersetzungssoftware. Hyundai will seine neuen Autos mit allen möglichen anderen Datenquellen verbinden, um dem Fahrer so in Zukunft zuverlässige und komfortablere Transportbedingungen zu liefern. Südkorea tut derzeit so einiges, um die Weltmacht für die intelligente Verarbeitung von Daten zu werden.