• vom 06.12.2018, 16:21 Uhr

Medien

Update: 06.12.2018, 16:41 Uhr

Fernsehen

Ein Quantum Hoffnung




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Am Wochenende lassen einige Filme hoffen - ob mit erstaunlichen wahren Geschichten oder ergreifenden fiktiven.

Jennifer Lawrence als Tiffany und Bradley Cooper als Pat in "Silver Linings".

Jennifer Lawrence als Tiffany und Bradley Cooper als Pat in "Silver Linings".© ServusTV Jennifer Lawrence als Tiffany und Bradley Cooper als Pat in "Silver Linings".© ServusTV

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute. Vielleicht. Denn in Zeiten der Rationalisierung und des Pragmatismus einerseits, der geschürten Angst und wachsenden sozialen Kälte andererseits scheint Optimismus oft unangebracht. Der Hoffnung, dass es wieder besser wird, oder zumindest nicht noch schlimmer, haftet Naivität an, fast schon zynischer, verklärter Pathos. Doch was im wahren Leben keinen Platz mehr hat, kann zumindest vom Fernsehbildschirm entgegenlächeln. Das TV-Programm an diesem Wochenende reanimiert die Zuversicht mit einigen Geschichten - ob aus dem echten Leben oder der Feder der Drehbuchautoren.

Dass die Hoffnung wohl noch unter uns weilt, oder zumindest unter manchen, zeigt die wahre Geschichte von Justin Skeesuck. Obwohl seine Autoimmunerkrankung ihn zusehends lähmt, beschließt er eines Tages, sich auf den Jakobsweg zu machen. "I’ll push you" (Sa, 10.45, ServusTV) ist nicht nur der Titel der Dokumentation über eine der wohl herausforderndsten Pilgerfahrten, sondern auch der Satz, den Skeesucks Freund Patrick Gray zu ihm sagte, bevor sie die Reise gemeinsam antraten. Sechs Wochen lang überwanden die beiden Wind und Wetter, schwindelerregende Pässe und Schlammfelder, bis sie nach 800 Kilometern schließlich in Santiago de Compostela ankamen. Damit bewiesen sie nicht nur unbändige Willenskraft, sondern vor allem auch, dass "Alles ist möglich" vielleicht doch mehr ist als bloß hohler Werbespruch.


Im fiktiven Land der Traumfabrik reicht manchmal schon ein Tanzwettbewerb, um dem Leben einen neuen Dreh zu verleihen. In "Silver Linings" (Sa., 20.15, ServusTV) trifft der depressive Pat (Bradley Cooper) auf die ebenfalls labile Tiffany (Jennifer Lawrence). Er war acht Monate in einer psychiatrischen Klinik, weil er den Liebhaber seiner Frau verprügelt hat. Sie findet nach dem Tod ihres Mannes keinen Halt mehr. Gemeinsam trainieren sie wochenlang für einen Wettbewerb im Paartanz. Was mit einem fadenscheinigen Versprechen Tiffanys begann, Pat wieder mit seiner Frau versöhnen zu können, wenn er im Gegenzug mit ihr bei diesem Wettstreit antritt, wird wie nebenbei zur Therapie für beide. Was in anderer Besetzung leicht in schmalzigen Hollywood-Kitsch ausarten könnte, heben Bradley Cooper und Jennifer Lawrence zu einer ehrlichen und hautnahen Erzählung fast ohne Pathos.

Doch nicht jede Hoffnung setzt sich durch. Das beweist das Experiment von Wörgl, das sowohl als gleichnamiges Drama (Sa, 20.15, ORF2) als auch als Dokumentarfilm ("Der Geldmacher - Das Experiment des Michael Unterguggenberger", Sa, 21.55, ORF2) am Wochenende über die Bildschirme flimmert. 1931 wurde Michael Unterguggenberger zum Bürgermeister von Wörgl. Als Folge der Weltwirtschaftskrise stand der Tiroler Ort mit einer Schuldenlast in Höhe von 1,3 Millionen Schilling und grassierender Arbeitslosigkeit unmittelbar vor dem finanziellen Kollaps. In der Not lässt Unterguggenberger eigenes Geld für seine Gemeinde drucken - umlaufgesichertes Freigeld im Wert von 34.500 Schillingen. Was als Experiment in letzter Stunde beginnt, wird zum rettenden Zugpferd: Bis 1933 sinkt die Arbeitslosenzahl merklich, Bautätigkeit und Konsum steigen. Nicht nur in Wörgl selbst regt sich die Hoffnung, auch in Deutschland, Frankreich und selbst in den USA. Doch bereits im selben Jahr schiebt ihr die Nationalbank einen Riegel vor.

Der Hoffnung letzte Konsequenz und als Begriff ebenso salbungsvoll anheimelnd ist schließlich das Glück. In der Tragikomödie "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" (Sa, 23.35, ORFeins) spielt es, neben Simon Pegg, die Hauptrolle. Den Londoner Psychiater Hector treibt die Frage um, warum so viele seiner Patienten ihr Glück nicht finden können. Schließlich verlässt er seine Freundin Clara (Rosamund Pike) und macht sich auf, um selbst danach zu suchen. Seine Reise führt ihn auf abenteuerliche Weise um die ganze Welt. Von China bis nach Südafrika trifft er auf allerhand hochkarätig besetzte Wegbegleiter und -erschwerer. Schließlich endet er bei seiner alten Studienliebe Agnes (Toni Collette) in LA, die ihm die Augen für sein eigenes Glück mit Clara öffnet. Wo also die Hoffnung in Richtung Zukunft linst, ist das Glück oft schon gegenwärtig.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 16:31:45
Letzte Änderung am 2018-12-06 16:41:35


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