Fake News wie die Beschwörung der Aufklärung werden in der Tagespolitik oft zu bloßen Schlagworten degradiert.

Das stimmt, aber als Philosophin konzentriere ich mich nicht auf die Tagespolitik, sondern wie wir wieder zum offenen Austausch kommen. Daher versuche ich, meinen Blick auf die politischen Konzepte hinter den Schlagworten zu richten: Wem geht es tatsächlich um eine Wiederbelebung der Demokratie? Und wenn von Aufklärung die Rede ist, müssen wir die Selbstaufklärung mitdenken. Das bedeutet, dass wir zwar mit dem Kopf denken, aber die Emotionen nicht außen vor lassen dürfen. Diese allgegenwärtigen Fake News bedeuten ja nicht nur, dass wir Menschen plötzlich unverhohlene Lügen glauben, sondern dass wir in bestimmten Lebenslagen auch einfach beruhigt werden wollen. Es kann auch ein Bedürfnis nach Zuversicht sein. Da können zur Not auch Lügen willkommen sein. Wenn es Ihnen wirklich schlecht geht, dann wollen womöglich auch Sie nicht unbedingt eine bittere Wahrheit hören.

Ihr Gegenrezept?

Entscheidend ist, Vernunft nicht gegen Emotion auszuspielen. Tatsachen allein machen nicht glücklich. Hinter der Wut, die sich in der Realität wie im Internet via Neue Medien entlädt, stecken oft enttäuschte Erwartungen, nicht alles ist irrational. Deshalb müssen wir fragen, ob diese Erwartungen nicht vielleicht doch auch legitim oder jedenfalls nachvollziehbar sind.

Mittlerweile arbeitet die Gesellschaft darin, der Revolution der Neuen Medien Zügel anzulegen und eine feste, jedenfalls eine festere Ordnung überzustülpen; das gilt für Verstöße gegen Gesetze wie auch beim Bezahlen von Steuern. Was wird sich dadurch ändern?

Die Neuen Medien dem geltenden Regelwerk zu unterziehen ist unbedingt notwendig. Menschen wollen gehört und ernst genommen werden, sie wollen aber nicht verletzt, gekränkt oder in ihren Rechten beschnitten werden. Twitter, Facebook und Co sind ein Mittel zur Kommunikation, nicht mehr, aber auch nicht weniger.