Wien. Wenn am Samstag in ORF2 zum letzten Mal vor Kameras das Glücksrad der "Brieflos-Show" gedreht wurde, wird sich Peter Rapp wohl zum letzten Mal von seinen ORF-Zuschauern verabschieden. Mehr als 300.000 (18 Prozent Marktanteil) waren es zum Schluss. Gut möglich aber, dass zur allerletzten Show noch einmal ein Quoten-Rekord fällt. Denn danach wird es, zumindest nach dem aktuellen Stand der Dinge, keine regelmäßige Sendung mit Peter Rapp mehr im ORF geben. Was nicht heißt, dass der 74-Jährige seine Show-Karriere beendet, gut möglich, dass sich ja doch noch einige Projekte finden

1990 hatte die "Brieflos-Show", damals (zu Schilling-Zeiten) noch als "Millionenrad", ihre Premiere. Mit dem Euro schmolzen die Millionen dann im Titel zur "Brieflos-Show". Ihre Aufgabe, damals wie heute: Promotion für die Produkte der Österreichischen Lotterien und, als Nebeneffekt, Unterhaltung für die ORF-Zuschauer. Eine Show mit so absurd wenig Inhalt fast 30 Jahre frisch zu halten, ist ein in der TV-Landschaft einzigartiger Erfolg. In Zeiten, in denen "Stars" im Wochentakt geboren und ebenso rasch vergessen werden, eine große Leistung.

Doch es waren wohl die 90er Jahre, in denen Rapp am Höhepunkt seiner Karriere stand. Die jahrelange Ochsentour mit dem "Wurlitzer", einer täglichen Sendung (1987 bis 1995), in der Live-Musikwünsche erfüllt wurden und die in der Rückschau gefühlt immer von Rapp moderiert wurde, hatte Früchte getragen. Kaum jemand im Lande, der den schlagfertigen Bartträger nicht kannte und schätzte. Das resultierte unter anderem in großen abendlichen Liveshows wie etwa "Wer A sagt", für die Rapp wie geschaffen war. In der heute längst vergessenen Sendung, die damals der Kabarettist Felix Dvorak erfunden hatte, traten zwei Gemeinden gegeneinander an und mussten Quizfragen und Spiele über sich ergehen lassen. Heute fast undenkbar: Es ging um praktisch nichts - außer den Spaß.

Tobsuchtsanfall in der Regie

Vor der Kamera stets souverän, herrschten dahinter schon einmal aufgrund von Rapps Bocksprüngen Chaos und Panik, wie sich Menschen im ORF erinnern. Rapp, der stets einen sehr ökonomischen Zugang zum Thema Proben pflegte, soll etwa einmal irrtümlich bei "Wer A sagt" die Finalfragen bereits in der Vorrunde gestellt haben, was in der Regie zu einem Tobsuchtsanfall des legendären ORF-Regisseurs Otto Anton Eder geführt haben soll.

"Vorbereitung ist Schwäche", dozierte der ehemalige Sängerknabe Jahre später auch darob im "Falter". Als Moderator müsse man "die freie Rede beherrschen, eloquent sein, Wissen assoziieren, Metaphern parat haben".