Mit eiserner Hand wacht China über die Berichterstattung im Inland; nun versucht es auch verstärkt, die Medien im Ausland zu beeinflussen. Hier der Blick in ein Pressezentrum von Shanghai bei einem öffentlichen Auftritt von Präsident Xi Jinping. - © apa/afp/Johannes Eisele
Mit eiserner Hand wacht China über die Berichterstattung im Inland; nun versucht es auch verstärkt, die Medien im Ausland zu beeinflussen. Hier der Blick in ein Pressezentrum von Shanghai bei einem öffentlichen Auftritt von Präsident Xi Jinping. - © apa/afp/Johannes Eisele

Als sich Mao Zedong 1930 dazu entschloss, den US-amerikanischen Journalisten Edgar Snow nach Peking einzuladen, formulierte er eine neue Strategie: "Das Ausland dazu zu bringen, China zu dienen." Der Große Vorsitzende war selbst davon überrascht, wie erfolgreich sein Plan werden sollte: Das aus der Reise resultierende Buch "Red Star Over China" wurde nicht nur ein Verkaufsschlager, sondern weckte im Westen erstmals echte Sympathien für die chinesischen Kommunisten, die als progressiv und antifaschistisch porträtiert wurden.

Acht Jahrzehnte später scheint das Interesse, China zu dienen, ungebrochen. So hatte das Recruiting-Team von China Central Television (CCTV) ein echtes Luxusproblem, als es in West-London eine Redaktion für den internationalen Arm "China Global Television Network" (CGTN) aufstellen wollte: Auf die 90 ausgeschriebenen Stellen kamen 6000 Bewerber. Für westliche Journalisten, die von endlosen Budgetkürzungen und unklaren Zukunftsaussichten verunsichert sind, schienen die Jobs in den modern eingerichteten Redaktionsräumlichkeiten ein verlockendes Angebot zu sein.

Von der Verteidigungshaltung zur Medienoffensive

Damit stellen sie sich, bewusst oder unbewusst, in den Dienst von Staats- und Parteichef Xi Jinping, der die Parole ausgegeben hat, der Welt "Chinas Geschichte gut zu erzählen". Gut im Sinne von: der Parteilinie entsprechend. Innerhalb der letzten Dekade hat sich das Wesen des chinesischen Narrativs von einer defensiven, mitunter auch plump-ungeschickten Umsetzung deutlich weiterentwickelt. Heute verfolgt die Volksrepublik eine geschicktere und durchsetzungsfähigere Strategie, und sie zielt zunehmend auf ein internationales Publikum ab. Mit beträchtlichem finanziellen Einsatz soll das globale Informationsumfeld umgestaltet werden - durch finanzierte Werbeprospekte, gesponserte journalistische Berichterstattung und stark positive Botschaften von Meinungsbildnern. Während die heimische Berichterstattung ohnehin im eisernen Griff der Partei ist, versucht Peking mittlerweile im Ausland, die Schwächen und die Verwundbarkeit der freien Presse zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Seit im Jahr 2003 die politischen Ziele der Volksbefreiungsarmee neu definiert wurden, ist die "Medien-Kriegsführung" ein ausgewiesener Bestandteil der chinesischen Militärstrategie. Die Bemühungen wurden ab 2008 sukzessive verstärkt, als Peking unzufrieden war über die internationale Berichterstattung zu den Olympischen Spielen und den Pro-Tibet-Protesten. Im folgenden Jahr kündigte China an, man würde 6,6 Milliarden US-Dollar in die Stärkung der globalen Medien-Präsenz investieren.