Offensichtliche Beispiele dieses Investments sind bezahlte Einschaltungen in international renommierten Publikationen wie der "Washington Post", der "New York Times", dem "Wall Street Journal" oder dem britischen "Daily Telegraph". Im Letzteren erscheint beispielsweise einmal pro Monat ein Inserat mit dem Titel "China Watch", in dem Überschriften wie "Xi preist den Öffnungsprozess", "40 Jahre glänzende Entwicklung in Tibet" oder "Glückliches Landleben in Xinjiang" zu lesen sind. Diesen eher traditionellen Propaganda-Ansatz lassen sich die Urheber immerhin 835.000 Euro pro Jahr kosten. Erst im September kritisierte US-Präsident Donald Trump diese Praxis und behauptete, solche "Falschmeldungen" würden seine Aussichten bei den Midterm-Wahlen schädigen.

Auffallend intensiv fielen die Investments in Afrika aus, wo 2012 CCTV Africa aus der Taufe gehoben wurde. Seitdem betreibt der Sender Büros in Nairobi, Lagos, Kairo und Johannesburg und versucht, den Einfluss Pekings auf den Kontinent auch medial zu verstärken. Immer umtriebiger wird Radio China International (CRI), das in 65 Fremdsprachen (darunter auch Esperanto) sendet und 32 Überseebüros unterhält. Durch massiven finanziellen Einsatz und die Unterstützung von Peking-freundlichen Netzwerken wie der Global CAMG Media Group wird die Berichterstattung des Senders häufiger ungefiltert übernommen. CRI-Präsident Wang Gengnian nannte diese Taktik "ein Boot ausborgen, um in See zu stechen".

Medienboote ausborgen -
oder gleich kaufen

Immer öfter werden die ausländischen Boote aber auch direkt gekauft, und das im Regelfall nicht durch den Staat, sondern über Privatpersonen. Das prominenteste Beispiel ist die "South China Morning Post" (SCMP), die 2015 von Jack Ma erworben wurde. Das Vermögen des Alibaba-Gründers wird auf 34,9 Milliarden US-Dollar geschätzt, und er machte sich erst gar nicht die Mühe, den staatlichen Einfluss auf seine Kaufentscheidung von umgerechnet 242 Millionen Euro abzustreiten: "Wie könnte ich etwas erreichen, wenn ich mir darüber Gedanken machen würde, worüber andere spekulieren?"

Also scheute Ma keine Kosten und Mühen, das Personal der Zeitung aufzustocken und Journalisten aus aller Herren Länder einzukaufen. Das Engagement blieb nicht ohne Folgen: Zuvor galt die "SCMP" als eine der besten Tageszeitungen Asiens, mit intimen Einblicken in das Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai und zutreffenden Interpretationen der politischen Entscheidungen. Heute wirkt das Blatt wie eine Light-Version des Staatsblattes "China Daily", das den Eigentümer gern als "modernen Konfuzius" lobt. Fragwürdiger als solche Selbstbeweihräucherungen erscheinen hingegen Berichte wie jener über Zhao Wei, eine Menschenrechtsaktivistin, die 2015 spurlos verschwand. Ein Jahr später tauchte sie wieder auf und gab der "Post" ein Interview, das viele an die "Selbstkritik" der Mao-Ära erinnerte. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Aktivistin zuvor massiv unter Druck gesetzt worden war und ein Jahr in streng überwachter Einzelhaft verbringen musste.

Daneben exportiert Peking seine Sicht der Dinge gerne auch direkt über Journalisten, die eingeladen werden, um an Trainingsprogrammen teilzunehmen - insbesondere Reporter aus Entwicklungsländern. Die 2012 gegründete Chinesische Vereinigung für Öffentliche Diplomatie hat sich hier ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Innerhalb von fünf Jahren sollen 500 Journalisten aus Südamerika ausgebildet werden, bis 2020 rund 1000 Reporter aus Afrika. Damit exportiert China ein Mediensystem, das keineswegs auf Pluralismus ausgelegt ist.

Die chinesische Führungsriege betrachtet journalistische Ideale wie kritische Berichterstattung und Objektivität nicht nur als ärgerlich, sondern als existenzielle Bedrohung - und sieht die Presse als "Augen, Ohren, Zunge und Hals" der Kommunistischen Partei. Die von Mao Zedong formulierte Maxime gilt also noch immer: "Die politische Macht kommt aus dem Lauf der Gewehre und den Federn der Schreiber."