• vom 18.01.2019, 10:00 Uhr

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Künstliche Intelligenz

Unter Dumpfbacken




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Von Adrian Lobe

  • Künstliche Intelligenzen werden immer intelligenter, heißt es. Doch was heißt intelligent? Und wie misst man das?

Unter Dumpfbacken

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Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz schreitet immer schneller voran. Computer übertreffen den Menschen mittlerweile in Disziplinen wie Schach, Go und Poker, die als Bastionen menschlichen Denkens galten. Doch wie intelligent sind diese Systeme wirklich?

Im vergangenen Jahr sorgte eine Studie chinesischer Wissenschafter für Aufsehen, wonach Sprachassistenten wie Siri den IQ eines Kleinkinds hätten. Schaut man sich die Untersuchung genauer an, sprechen die Forscher aber nicht vom Intelligenzquotienten, sondern von einem "KI-IQ". Zur Intelligenzmessung wird hier ein anderes Verfahren angewendet.


Die Funktionalität künstlich intelligenter Systeme verglichen die Wissenschafter anhand verschiedener Fragen: Kann das System Informationen mit dem menschlichen Tester austauschen? Kann sich die Wissensdatenbank updaten und ihre Speicherkapazitäten vergrößern? Vermag das System neues Wissen zu produzieren? Anhand dieser Kriterien entwickelten die Forscher ein mathematisches Modell, das als Vergleichsmaßstab dienen sollte. Auf Grundlage von Testergebnissen erstellten die Wissenschafter ein Ranking, das dann in IQ-Werte umgerechnet wurde. Demnach besitzt Googles Sprachsoftware einen IQ von 47, Microsofts Suchmaschine Bing kommt auf einen IQ von 32, Apples Siri erreicht dagegen lediglich einen IQ von 24. Zum Vergleich: Ein sechsjähriges Kind hat im Schnitt einen IQ von 55,5.

IQ-Tests sind umstritten
Als IBM 1961 seine legendäre Shoebox, den Prototypen einer Spracherkennung, präsentierte, war der Wortschatz der Maschine auf 16 Wörter begrenzt, inklusive der zehn Ziffern von 0 bis 9. Die Forschungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums finanzierte ab 1971 eine Spracherkennung, die 1000 Wörter verstand. Ein sechsjähriges Kind kennt etwa 13.000 Wörter, ein gebildeter Mensch besitzt ein Repertoire von rund 60.000 Vokabeln. Die Maschine "sprach" also wie ein Kleinkind.

Amazons Sprachsoftware Alexa hat mittlerweile ein paar tausend Wörter in dutzenden Sprachen im Repertoire, erst im vergangenen Jahr wurden umgangssprachliche Formulierungen wie "woohoo" dem englischen Vokabular hinzugefügt. Der Wortschatz scheint eine geeignete, quantifizierbare Größe, mit der sich die Intelligenz von Mensch und Maschine vergleichen ließe. Doch letztlich werden hier Birnen mit Äpfeln verglichen.

Die Methodik des IQ gilt in der Wissenschaft als umstritten, die Aussagekraft der Tests ist begrenzt. Nur weil jemand Zahlenreihen nicht schnell vervollständigen kann, sagt das noch nichts über sein logisches Verständnis oder sein Sprachgefühl aus. Es gibt viele Arten von Intelligenz: emotionale, soziale oder eben künstliche.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-17 17:11:29
Letzte Änderung am 2019-01-17 18:42:43



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