Wien. (bau) Wer Radiosender nach dem digitalen Standard DAB+ hören will, wird zurzeit lediglich in Wien fündig. Dort läuft schon seit einigen Jahren ein Betrieb mit einigen lokalen Radiostationen - etliche davon sind nicht im herkömmlichen analogen Sendebetrieb vorhanden, weil dort die Anzahl der Frequenzen stark limitiert ist. Doch das ändert sich nun ab 28. Mai 2019. Da geht DAB+ erstmals in großen Teilen des Landes in den Vollbetrieb.

Auf den Sendern Wien-Kahlenberg, Wien-Liesing, Wien-DC Tower, Graz-Schöckl, Linz-Lichtenberg und Semmering-Sonnenwend- stein startet im Mai DAB. Schon im Rahmen dieser ersten Ausbauphase werden mit Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Oberösterreich bereits nahezu 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung digital-terrestrisches Radio über DAB+ empfangen können. Bregenz, Innsbruck, Salzburg und St. Pölten folgen am 31. März 2020, am 22. September 2020 schließlich Kärnten sowie ein Ausbau im Burgenland und in der Steiermark. Bis dann soll die technische Reichweite 83 Prozent betragen.

Den Hörern verspricht man eine größere Sendervielfalt, da die digitale Plattform mehr Frequenz-Platz bietet als das klassische UKW-Band. Mit Klassik Radio, Radio Energy und Radio 88.6 sind drei Sender dabei, die bereits jetzt lokal analog-terrestrisch zu hören sind. National neu kommen aber Rock Antenne, Radio Maxima, Technikum ONE, Arabella Plus, Radio Maria und ERF Plus. Weitere Angebote sollen folgen. Der bundesweiten analog-terrestrischen Sender von ORF und Kronehit sind nicht an Bord, da der ORF noch immer aus strategischen Überlegungen den Start von DAB+ boykottiert. Wie weit man diese (für einen öffentlich-rechtlichen Sender völlig unverständliche) Blockadepolitik noch durchhalten wird können, ist dahingestellt. Doch das macht auf den digitalen Frequenzen mehr Platz für neue, junge Radiosender, die sich den analogen Betrieb aufgrund der um Faktor zehn höheren Kosten der analogen Ausstrahlung ohnehin nie leisten hätten können.

UKW-Betrieb bleibt aufrecht

Für den Empfang des digitalen Signals sind Radiogeräte nötig, die DAB+ empfangen können. Das sind derzeit noch nicht allzu viele. Für HiFi-Anlagen und Autoradios gibt es jedoch für wenige Euro DAB+-Empfänger, die die Anlage über den Audio-Eingang mit dem DAB-Signal versorgen. Zudem wird es die UKW-Ausstrahlung noch viele Jahre weitergeben. Etliche Autoradios sind schon seit Jahren mit DAB+ ausgestattet, in der Regel ohne dass die Kunden davon wüssten. Ein Meilenstein ist in diesem Zusammenhang der Beschluss des EU Parlaments, wonach Autoradios in Neuwagen künftig neben UKW den digitalen-terrestrischen Empfang ermöglichen müssen.

In Europa ist die DAB-Umstellung im Unterschied zu Österreich bereits weit fortgeschritten. Großbritannien, Norwegen, die Schweiz, die Niederlande, Frankreich, Deutschland, Italien sowie Tschechien und Belgien setzen bereits auf DAB. Neben mehr Auswahl und besserer Qualität bietet DAB auch verbesserte digitale Informationen zu Verkehr und Musik im Display.