Sechs Morde gab es in diesem Jahr bereits. Die Opfer waren allesamt Frauen. Die Täter waren allesamt Männer. Nur einer davon war ein Flüchtling. Ein Aufschrei ging durch die Öffentlichkeit. Es ist ein Streit darüber entbrannt, wie kriminell Flüchtlinge sind, welches Frauenbild manche Zuwanderer haben und was man dagegen unternehmen kann. Die Gesellschaft ist wegen der Migration gespaltener denn je. Die einen fordern mehr Transparenz und Sicherheit. Die anderen orten Diskriminierung und Vorverurteilung.

Die Debatte wirft aber auch die Frage auf, welches Bild von Kriminalität und Tatverdächtigen in den Medien geschaffen wird.

Wenn von Kriminalfällen berichtet wird, stammt die Information meist von der Polizei. Sie liefert das Rohmaterial für die Berichterstattung über Straftaten. Sie schickt täglich Presseaussendungen aus, etwa über einen rumänischen Staatsangehörigen, der über einen Zaun stieg und Altmetall in einem Rucksack gestohlen hat. Oder über einen afghanischen Asylwerber, der vier Kilogramm Marihuana verkauft hat. Neben Alter und Geschlecht eines Tatverdächtigen werden auch seine Nationalität und sein Aufenthaltsstatus bekanntgegeben. Rund 42.000 Anzeigen gibt es monatlich in Österreich. Nur ein Bruchteil davon schafft es in eine Aussendung. Die Medien selektieren daraus.

Durch die Aussendungen steuert die Polizei die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität. Sie will aufklären, warnen, transparent sein. Dennoch gilt es als umstritten, Herkunft und Aufenthaltsstatus im Zusammenhang mit Kriminalität zu nennen. Kritiker werfen der Polizei vor, dass sie Ängste gegen Fremde schürt. Welchen Nutzen hat die Öffentlichkeit also von diesen Informationen? Und welche Problematik ergibt sich daraus?

Innenministerium will Transparenz

Die Linie der Regierung ist klar. Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) sagte in einem "Kurier"-Interview im September 2018, die Bevölkerung solle wissen, welche Nationalität hinter dem Täter steckt. Wie sehr dies forciert wird, zeigte eine veröffentlichte Mail aus dem Innenministerium. Die Polizei wurde darin ersucht, explizit die Staatsbürgerschaft und den Aufenthaltsstatus von mutmaßlichen Tätern in den Aussendungen zu benennen. Fragt man heute im Ministerium nach, warum Nationalität und Status genannt werden, heißt es, der Wunsch komme von den Medien. "Es geht um größtmögliche Transparenz. Warum sollte man etwas verschweigen?", sagt Sprecher Christoph Pölzl. Ob die Herkunft genannt wird oder nicht, entscheidet jede Polizeidirektion selbst, so Pölzl.