Ein Affe mit Baskenmütze, der aus dem Nichts Cornflakes und French Toast erscheinen lassen kann. Das ist einmal ein Superheld, den die Welt wirklich braucht. Erfunden hat diesen "Breakfast Monkey" Gerard Way, noch lange bevor er die Rockband My Chemical Romance gegründet hat. Den Primaten als TV-Serie bei Cartoon Network zum Leben zu erwecken, gelang ihm aber nicht. Dafür hat es nun ein anderer Affe aus der Feder des Comic-Schöpfers und Sängers ins Fernsehen geschafft. Ab Freitag ist seine Reihe "Umbrella Academy" auf Netflix zu sehen. Darin geht es um eine Gruppe Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten - die einen Affen als Butler haben.

Sie alle wurden unter seltsamen Umständen geboren. In der Serie wird das gleich zu Beginn recht eindrücklich dargestellt. Im einen Moment flirten zwei Sowjet-Teenager noch auf der Wartebank beim Schwimmtraining. Im anderen färbt sich der Pool plötzlich blutrot, weil das Mädchen, das zuvor keineswegs schwanger ausgesehen hat, ein Kind im Wasser zur Welt bringt.

Das Monokel sammelt Kinder

Schon im gleichnamigen Comic haben die Geschwister alle Superkräfte. Und einen Affen als Butler. - © Crosscult
Schon im gleichnamigen Comic haben die Geschwister alle Superkräfte. Und einen Affen als Butler. - © Crosscult

43 dieser Spontangeburten gab es an jenem Tag. Der Millionär und Wissenschafter Sir Reginald Hargreeves, auch genannt "Das Monokel", Erfinder unter anderem des Schirm-Kommunikators und der "Fantastischen Frühstücksflocken", adoptiert sieben dieser Kinder. Was sie eint: Sie haben besondere Kräfte. Einer ist außerordentlich stark, einer kann endlos die Luft anhalten, einer kann mit den Toten sprechen, eine kann den Willen anderer Menschen beeinflussen, einer kann durch die Zeit reisen - und eine kann herausragend Geige spielen. Ein furioses Violinenmedley von Hits aus dem Musical "Phantom der Oper" begleitet denn auch die einleitenden Actionszenen der Serie "The Umbrella Academy". Da treffen nämlich die sechs verbliebenen "Geschwister" (einer ist nur mehr Gedenkstatue im Garten) nach langen Jahren wieder aufeinander - weil der dann doch nicht so geliebte Adoptivvater beerdigt werden muss. Bei dieser Mission allein bleibt es freilich nicht, denn der zeitreisende Bruder Nummer Fünf - Hargreeves bestand darauf, die Kinder durchnummeriert zu bezeichnen -, einiges aus der Zukunft zu berichten hat. Vor allem, dass in wenigen Tagen die Welt untergeht. Wenn das zerstrittene Geschwisterteam nicht eingreift.

Steampunk-Optik

Nummer Fünf hat einige Jahrzehnte in der Postapokalypse verbracht, ist aber im Kinderkörper zurückgekehrt. Die Abgeklärtheit, die eine solche Kombination mit sich bringt, wird vom 15-jährigen Aidan Gallagher brillant trocken vermittelt. Die prominenten Aushängeschilder der Netflix-Produktion sind Schauspielerin Ellen Page (sie hat mit "X-Men" schon Superhelden-Erfahrung) als Violinisten-Außenseiterin Vanya und R&B-Sängerin Mary J. Blige als Schurkin. Die düster-steampunkige Optik der Serie verträgt sich gut mit den leicht chaotischen, dynamischen, von trashiger Pulp-Literatur beeinflussten Comics. Lange waren sie vergriffen, aber nun kann man sich die Geschichten in Neuauflage zu Gemüte führen. Der Band, auf dem die erste Staffel der Serie basiert, "Weltuntergangssuite", ist bereits erschienen. Band 2 folgt Mitte März, Band 3 im September. Man muss also gar keine Superkräfte haben, um in die Zukunft der Netflix-Serie zu sehen. Aber einen Affen als Butler, der wär‘ schon was.