Wien. Ein 60 Kilometer großer Asteroid rast auf die Erde zu. In acht Tagen wird er Europa zerstören - ein Überleben ist nahezu unmöglich. Die Bewohner haben also noch genau acht Tage Zeit. Was also? Fliehen? Versuchen, zu überleben? Oder das Unvermeidliche akzeptieren und die Zeit bis dahin ausnützen? Wie reagieren wir, wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht? Wenn die Gesellschaft zerfällt und die Instinkte übernehmen? Das ist der Plot der neuen Sky-Hochglanzserie "8 Tage", die am 1. März auf den Sender geht: simpel, realistisch, ohne Fantasy. Es geht um die Menschen und wie sie, jeder für sich, auf die neu geschaffene Endlichkeit reagieren. Regie bei der Produktion führte der österreichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher"). Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über die Faszination Endzeit, das Goldene Zeitalter der Serie und de Paradigmenwechsel im Streaming-Fernsehen.

"Wiener Zeitung": Was fasziniert Sie an der Endzeit?

Stefan Ruzowitzky: Als Filmemacher habe ich mir sofort gedacht, das ist ein sehr tragfähiges Konzept. Du erzählst von einer Welt in einer Extremsituation, von der jeder Mensch betroffen ist. Das steigert sich dann noch, je näher die Stunde null kommt, was dazu führt, dass der gesellschaftliche Lack abblättert, weil es keine Ordnungsmächte mehr gibt. Die Dinge, die man tut, haben ja auch keine Konsequenzen mehr, wenn in Kürze ohnehin alle tot sind. Das bietet alle Möglichkeiten für einen Filmemacher - von der Gesellschaftssatire bis zur großen Tragödie. Das war natürlich eine tolle Herausforderung. Jede Figur, die man in so eine Welt hineinstellst, führt man zu einem Extrem. Das ist spannend.

Glauben Sie, dass die Serie "8 Tage" ein realistisches Bild zeichnet? Würde es genau so zugehen?

Das glaube ich schon. Die Erosion der Gesellschaft und das Zurückwerfen auf den eigenen moralischen Kompass wäre sicherlich der Fall. Wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftliche Werte, die lange als unumstößlich galten, plötzlich hinterfragt werden. Darf man nicht doch ein bisschen foltern? Oder die vielen Tabubrüche von Donald Trump...

Endzeitserien sind derzeit im TV sehr gefragt. Gab es Vorbilder?