Einmal arbeitslos zu werden - diese Sorge hatte Werner Schneyder nie. Das lag nicht nur an seinen vielen Talenten und Berufen, sondern an seiner Grundprofession, denn in erster Linie hielt er sich selbst für einen Meinungsträger. "Ein Mann ohne Weltanschauung ist nur ein Leihgerät", war seine tiefste Überzeugung. Und nach der lebte er. Ganz gleich, ob auf der Kabarettbühne, als Buchautor, Dramaturg, Regisseur, Talkshow-Gast oder Sportkommentator - an dezidierter Meinung hat es Werner Schneyder nie gefehlt. Diese auch in dem jeweils zu bedienenden Genre möglichst präzise, klar und pointiert zum Ausdruck zu bringen, war eine seiner großen, mitunter fast zu großen Stärken, weil dadurch die leiseren Töne, zu denen er - vor allem in seinen unterschätzten literarischen Erzählungen - auch fähig war, untergingen.

1937 in Graz geboren, wuchs Schneyder in Klagenfurt auf - und behielt zu Kärnten, nicht zuletzt durch seinen späteren Landsitz am Millstättersee, stets eine leidenschaftlich enge, wenn auch nicht immer ungetrübte Beziehung. Schon mit 15 Jahren schrieb er über Fußballspiele und war später, als er in Wien Publizistik und Kunstgeschichte studierte, freier Lokal- und Sportreporter. Danach war er u.a. Werbetexter und Dramaturg für die Landestheater Salzburg und Linz.

Auch der "Wiener Zeitung" und deren einstigem Literaturmagazin "Lesezirkel" war Werner Schneyder sehr verbunden. So schrieb er für dessen erste Ausgabe im Jahr 1984.
Auch der "Wiener Zeitung" und deren einstigem Literaturmagazin "Lesezirkel" war Werner Schneyder sehr verbunden. So schrieb er für dessen erste Ausgabe im Jahr 1984.

Der große Durchbruch gelang Schneyder, als er mit dem renommierten deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt als bis dahin kaum bekannter Autor und Kleinkünstler eine Zusammenarbeit begann, die in dem Programm "Talk täglich" gipfelte, mit dem das Duo acht Jahre lang vor allem in Deutschland reüssierte. "Das Groteske an meiner Karriere ist ja, dass ich nicht unten begonnen habe, sondern als Partner eines Stars", sagte Schneyder vor zwei Jahren in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". Welches Risiko beide, vor allem Hildebrandt, damals eingegangen waren, das wurde Schneyder, der sein Lebtag unter großem Lampenfieber litt (auch wenn ihm das kaum jemand anmerkte), erst knapp vor dem ersten Auftritt bewusst. Als er seinen Partner damit konfrontierte, meinte der nur: "Ich habe ein gutes Gewissen". Schneyder: "Der Satz war stärker als die Nervosität."

Im Duo und als Solist

Die Zusammenarbeit mit Hildebrandt dauerte bis 1982, als mit dem programmatisch betitelten "Ende der Spielzeit" tatsächlich ein Schlussstrich gezogen wurde. Danach begann Schneyders erfolgreiche Solokarriere als Kabarettist und Chansonnier, die er 1996 für mehr als ein Jahrzehnt unterbrach, danach wieder aufnahm, bis 2017 mit dem Programm "Das war’s von mir", einer Art aktualisiertem Best-Of, dann endgültig Schluss war. Dass er danach, mit nunmehr 80 Jahren, nicht mehr auftreten wollte, begründete Schneyder so: "Das hängt mit einer kleinen Eitelkeit zusammen. Ich bin über viele Jahre auf der Bühne gestanden und hatte weit und breit kein Manuskript. Das traue ich mich nicht mehr."